Geschichte der Arbeiterwohlfahrt

Marie Juchacz – Gründerin der Arbeiterwohlfahrt
Marie Juchacz – Gründerin der Arbeiterwohlfahrt

Die Jahre 1919 bis 1933

Der 13. Dezember 1919 war die Geburtsstunde der Arbeiterwohlfahrt. Als interner Wohlfahrtsausschuss in der SPD (Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt) von der Reichstagsabgeordneten Marie Juchacz ins Leben gerufen, entwickelte sich die Arbeiterwohlfahrt zur Selbsthilfeorganisation der politisch organisierten Arbeiterschaft.

"Wohlfahrtspflege ist Aufgabe des Staates!" Mit diesem Argument trat die Arbeiterwohlfahrt der überlieferten Anschauung anderer Wohlfahrtsorganisationen entgegen, die in der Hauptsache persönliche Minderwertigkeiten und Schuld des Einzelnen als Ursache der Hilfebedürftigkeit annimmt und auch entsprechend handelt. Die Arbeiterwohlfahrt organisierte sich in den Jahren nach der Gründung in einen Hauptausschuss, 32 Bezirksausschüsse sowie über 1200 Orts- und 50 Kreisausschüsse.

Die Hauptleistungen der Wohlfahrtspflege, die in den Jahren bis 1929 geschaffen wurden, waren Vorbeugung der Not, eine verfeinerte Fürsorge, die den Hilfebedürftigen befähigte, sich wieder in den Arbeitsprozess und in die Gesellschaft zu integrieren und die die Rehabilitierungsfähigen versorgte.

Es folgten die Jahre der weltweiten Wirtschaftskrise. In dieser Zeit musste die Arbeiterwohlfahrt die Hoffnung auf Weiterexistenz bzw. auf Realisierung vieler Reformen der Wohlfahrtspflege, die sie selbst gefordert hat, zu Grabe tragen.

Die Arbeiterwohlfahrt in den Jahren 1933-1945

Mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 wurde die Arbeiterwohlfahrt verboten. Viele Aktivisten der Bewegung emigrierten ins Ausland. Marie Juchacz engagiert sich in den USA beim Aufbau der Wohlfahrtspflege. 

Nach der Machtergreifung Hitlers versuchte der Nazistaat die Arbeiterwohlfahrt in sein System zu integrieren und für sich zu nutzen. Diese Versuche schlugen fehl, denn die Arbeiterwohlfahrt löste sich in Deutschland quasi auf und verlegte ihre Aktivitäten ins Ausland. Viele Funktionäre der Arbeiterwohlfahrt, voran die Vorsitzende Marie Juchacz und die Geschäftsführerin Lotte Lemke, organisierten die Hilfe im Ausland. So konnte die Arbeiterwohlfahrt weiter wirken und während dieser Zeit vielen Menschen in Deutschland helfen.

Neubeginn 1945 verläuft im geteilten Deutschland unterschiedlich

Nachdem der zweite Weltkrieg beendet und das Naziregime zerschlagen war, hat sich die Arbeiterwohlfahrt überall in Deutschland in neuen Gliederungen organisiert und ihre soziale Arbeit wieder aufgenommen.

Der Aufbau konnte sich aber nur in den damals noch westlichen Besatzungszonen, später dann der Bundesrepublik Deutschland, vollziehen. In der sowjetischen Besatzungszone, später die DDR, wurde die Arbeiterwohlfahrt nicht mehr zugelassen. Dort entstanden andere Verbände, wie die Volkssolidarität, die sich im Einklang mit dem kommunistischen System befanden.

AWO in Sachsen-Anhalt seit 1990

Die Geschichte der AWO in Sachsen-Anhalt begann Anfang des Jahres 1990. Wenige Monate nach dem Fall der Mauer in Berlin gründeten sich die Bezirksverbände Halle und Magdeburg mit tatkräftiger Unterstützung von AWO-Verbänden aus den alten Bundesländern. Mit engagiertem Tun und Einsatz der neuen Mitglieder der AWO in Sachsen-Anhalt gelang es, erste neue Strukturen aufzubauen.

Am 21.10.1990 entstand in Quedlinburg aus den beiden Bezirksverbänden Halle und Magdeburg der AWO Landesverband Sachsen-Anhalt e. V.

Mit großem persönlichen Engagement widmeten sich in der Gründungszeit viele sozial bewusste Menschen der Aufgabe, ein neues soziales Netz zu schaffen und die neue Freiheit mit der Durchsetzung demokratischer und sozialer Grundrechte zu verbinden. In einer Situation, in der viele Menschen Halt gebende Strukturen verloren hatten und mit tiefen Einschnitten in nahezu allen Lebensbereichen umgehen mussten, begann die AWO unter Beteiligung der Bürger die gesellschaftliche und soziale Entwicklung Sachsen-Anhalts mitzugestalten.

Seit dieser Zeit ist viel passiert. AWO heißt heute: 25.000 helfende Hände in Sachsen-Anhalt. Mehr als 5350 hauptamtliche Mitarbeiter in knapp 500 Einrichtungen und Diensten, über 3.300 Ehrenamtliche und rund 4.300 Mitglieder teilen die Idee der Arbeiterwohlfahrt für ein soziales Miteinander. (Stand: 31.12.2015)

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