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Unsere Kinder sind zu wertvoll – Qualität statt Streit um Macht und Geld!

Magdeburg,

Die Arbeiterwohlfahrt Sachsen-Anhalt startet in diesen Tagen eine Offensive zur Kita-Qualität in Sachsen-Anhalt

 

AWO startet Kampagne zur Kita-Qualität in Sachsen-Anhalt

Barbara Höckmann, Vorsitzende des Präsidiums AWO Landesverband Sachsen-Anhalt e.V.

Die Bedürfnisse von Familien und Kindern sollen dabei im Mittelpunkt stehen. Vom Kind her gedacht will sich die AWO damit für die Weiterentwicklung der Kinderbetreuung und der frühkindlichen Bildung in Sachsen-Anhalt stark machen.

„Von der Kindern und ihrer Bildung wird es abhängen, ob Sachsen-Anhalt die Zukunft meistern kann. Deshalb fragen wir Familien in Sachsen-Anhalt, was sie brauchen und von Kitas erwarten. Mit der Online-Befragung „Meine Stimme für mein Kind“ sind ab sofort alle Eltern in Sachsen-Anhalt herzlich eingeladen, uns anonym ihre Meinung zu sagen. Die Ergebnisse werden dann veröffentlicht. Regional finden in unseren Kitas zudem Tischgespräche mit Eltern statt.“ sagt Barbara Höckmann, Präsidentin des AWO Landesverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

Aus den Erfahrungen, die die AWO als Trägerin von 76 Kitas in Sachsen-Anhalt seit der letzten Änderung des Kinderförderungsgesetzes gesammelt hat, wurden zudem landesweit Zukunftsgedanken entwickelt. Mit dem Positionspapier wollen wir mit Politik und Verwaltung ins Gespräch kommen. Auch die Ergebnisse der Elternbefragung werden wir mit vertreten.

„Das Land Sachsen-Anhalt hat mit dem zuletzt gesetzten gesetzlichen Rahmen, dem Kinderförderungsgesetz 2013, einen guten und richtigen Weg in der Familienpolitik eingeschlagen. Das Ziel, die Qualität zu steigern und gleichwertige Bedingungen und Zugänge für Bildung von Anfang an im Land zu schaffen, unterstützen wir aus vollem Herzen.

Verbessert werden muss die Umsetzung und Auslegung des Gesetzes vor Ort. Hier gibt es gute und weniger gute Beispiele. Auf welche Qualität Familien zählen können, darf keine regionale Auslegungssache sein. Wir stehen hier in gemeinsamer Verantwortung. Dazu muss der Streit um Macht, Geld und Zuständigkeiten auf kommunaler Ebene der Diskussion für eine einheitliche landesweite Qualitätssteigerung in Kitas endlich Platz machen. Insofern hoffen wir, dass das Bundesverfassungsgericht im Kita Streit zugunsten des Landes entscheidet. Kinderschutz, Armutsprävention, Wunsch- und Wahlrecht der Eltern, Bildungskonzepte und Gesundheitsvorsorge sind Themen von Gesamtinteresse, die nicht jede Gemeinde einzeln aushandeln sollte. Hier bedarf es einer klaren übergeordneten Steuerung. Auch dafür soll unser Positionspapier Anregungen bieten, wohlwissend, dass es hier um langfristige Entwicklungen geht, die auch, aber eben nicht nur, den vorhandenen finanziellen Ressourcen Rechnung tragen muss. Die Entscheidung für Kinder und Familien ist eine Werteentscheidung. Was sind uns unsere Kinder und Familien wert?“

Die Umfrage „Meine Stimme für mein Kind“ und die AWO Position findet man unter kind.awo-sachsenanhalt.de

Ausgewählte Positionen im Überblick:

Vater und Mutter halten ein Kind auf dem Arm

Stärkung der Rechte für Familien:

  • Das Wunsch- und Wahlrecht für Eltern bei der Auswahl einer Kita muss gewährleistet werden. Die Träger- und damit die Konzeptvielfalt muss genauso vielfältig sein, wie der Erziehungsansätze der Eltern.
  • Kitas sind Bildung und Bildung muss kostenfrei sein. Bis dieses Ziel langfristig erreicht ist, sind kurzfristig die Kostenbeiträge der Eltern auf 2/3 des Kindergeldes zu begrenzen. Die Beteiligung des Bundes an der Kitafinanzierung ist konsequent einzufordern.
  • An einer bedarfsorientierten Ganztagsbetreuung und -bildung unabhängig vom Erwerbsstatus der Eltern ist festzuhalten. Halbtagsansprüche werden abgelehnt. Der Betreuungsumfang muss für alle Kinder eine definierte Bildungszeit und bei Bedarf der Familien auch die Randzeitenbetreuung umfassen.
  • Langfristig soll das Mittagessen in Kitas kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Kurzfristig dürfen mittelbare Kosten der Verpflegung (z.B. Kosten der Hauswirtschaftskräfte) nicht mehr auf die Eltern übertragen werden. Sie sind Bestandteil der pädagogischen Arbeit in Kitas.

Landesweit einheitliche Qualität schaffen:

  • Mehr Zeit am Kind! Verbesserung der Personalressourcen auf eine Fachkraft-Kind-Relation in Kitas von 1:5 (Kinder unter 3) und 1:10 (Kinder über 3), im Hort 1:15.
  • Ersatz für Personalausfall! Ausfallzeiten wie Urlaub, Krankheit, Fort- und Weiterbildung und mittelbare pädagogische Arbeit sind mit 25% zusätzlich zu berücksichtigen.
  • Das „klein klein“ muss aufhören! Qualität und Standards in Kitas dürfen keine regionale Auslegungssache sein. Mindeststandards sind zu definieren für Leitungsfreistellung, Qualitätsmanagement, Fachberatung, Kinderschutz, Spiel- und Beschäftigungsmaterial, Fort- und Weiterbeildung, Gemeinkosten der Träger. Sonderförderung bei besonderen Entwicklungsbedarfen von Kindern sind zu berücksichtigen.
  • Fachlichkeit sichern! Das Qualifikationsniveau in Kitas muss gehalten werden. Ferner sind ansprechende Ausbildungsmöglichkeiten für Seiteneinsteiger mit guten Qualifikationen zu schaffen, akademisch erworbene gleichwertige Abschlüsse sind als pädagogische Fachkraft anzuerkennen.
  • Erzieher*innen mit Beratung unterstützen! Pro 1.200 Kita Plätzen ist eine Vollzeitfachberatung anzuerkennen.
  • Das Recht auf das eigene Bett! Die pädagogischen und gesundheitlichen Auswirkungen der Ausweitung und Verlagerung von Betreuungszeiten („24h – Kita“) auf Kinder müssen wissenschaftlich untersucht werden. Alternativen, die bei Bedarf die Betreuung in der Häuslichkeit der Familien sicherstellen, sind zu entwickeln.
  • Gemeinsame Bildung von Anfang an! Inklusion – Kinder in ihrer Vielfalt gemeinsam und gleichzeitig individuell bezogen auf ihre Besonderheiten bestmöglich zu fördern braucht Ressourcen und vielfältige Kompetenzen aller Beteiligten.

Rechtssichere und effiziente Finanzierungs- und Verwaltungsstrukturen

  • Alles aus einer Hand! Verringerung des Verwaltungs- und Koordinierungsaufwandes und stärkere Steuerung durch die weitere Stärkung und Zusammenführung der Zuständigen bei der Fachbehörde, dem Jugendamt.
  • Das Prinzip der Entgeltfinanzierung soll beibehalten werden. Die Eigenbeteiligung Freier Träger für eine der öffentlichen Hand obliegenden Aufgabenerfüllung wird abgelehnt.

Das vollständige Positionspapier zum Herunterladen

AWO Positionspapier zur frühkindlichen Bildung in Sachsen-Anhalt (669,8 KiB)
Gruppenfoto Teilnehmer*innen AWO Landesausschuss Sangerhausen
Das Positionspapier zur frühkindlichen Bildung wurde auf dem AWO Landesausschuss in Sangerhausen beschlossen.

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