Anonyme Schutzwohnungen für Betroffene von Zwangsverheiratung und ehrbezogener Gewalt

, Magdeburg

Die AWO Fachstelle Vera erweitert ihr Angebot.

Die AWO Fachstelle Vera begleitet und berät seit über 20 Jahren Betroffene von Zwangsverheiratung und Frauenhandel in ganz Sachsen-Anhalt. Mit dem Aufbau anonymer Schutzwohnungen für hochgefährdete Klientinnen sowie dem Ausbau der stark nachgefragten Präventionsarbeit werden jetzt weitere neue Angebote geschaffen. Sozial-Staatssekretärin Susi Möbbeck hat dafür am Montag in Magdeburg einen Förderbescheid in Höhe von 389.500 Euro übergeben.

„Bislang haben wir in Sachsen-Anhalt kein Angebot, das dem erhöhten Schutzbedarf der hochgefährdeten Betroffenen von Zwangsverheiratung und ehrbezogener Gewalt gerecht wird. Mit der Förderung ist es jetzt möglich, das Schutz- und Begleitangebot bedarfsgerecht zu erweitern und damit das Hilfesystem für die Klient*innen zu verbessern.“, sagte Steffi Schünemann, Vorständin Verband und Sozialpolitik AWO Landesverband Sachsen-Anhalt. „Sie erhalten Sicherheit, die notwendige Anonymisierung und einen geschützten Rahmen. Mit der intensiven psychosozialen Begleitung werden dann die Voraussetzungen für eine selbstbestimmte Zukunftsperspektive geschaffen.“

Seit Gründung der Fachstelle vor 22 Jahren sind die Fallzahlen der Fachstelle Vera jedes Jahr gestiegen: Im Jahr 2010 wandten sich 16 Klientinnen an die Beratungsstelle, im Jahr 2021 waren es 100 Klientinnen. 70 Prozent der Fälle betreffen Zwangsverheiratung und ehrbezogene Gewalt. Die Betroffenen sind Gewalt, Verfolgung und Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt und aufgrund ihrer hohen Gefährdung besonders schutzbedürftig. Das Land fördert den Aufbau von zwei anonymen Schutzwohnungen, welche in Mitteldeutschland einzigartig sind. Dort sollen Frauen – auch gemeinsam mit ihren Kindern – in einer akuten Krisensituation schnell und unbürokratisch aufgenommen werden. Sie erhalten Sicherheit, notwendige Anonymität, Anerkennung ihrer Lebenssituation und einen geschützten Rahmen, um sich neu zu orientieren.

Auf ihrem Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben, erhalten betroffene Frauen intensive Begleitung durch die Sozialarbeiterinnen der Fachstelle Vera. Das Schutzkonzept ist auch auf die besonderen psychischen Belastungen der Klientinnen ausgerichtet. Durch die spezielle Ausrichtung auf Hochgefährdete wird das Angebot der Frauenschutzhäuser ergänzt und die Möglichkeit geschaffen, auch Paare zusammen unterzubringen, um ihnen den Schritt in ein gemeinsames selbstbestimmtes Leben abseits von Bedrohung zu ermöglichen.
Die Fachstelle Vera ist die einzige ihrer Art in Sachsen-Anhalt und wird vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt gefördert. Die Adresse der Fachstelle unterliegt nach gültiger Absprache mit dem interministeriellen Beirat zur Bekämpfung von Menschenhandel der Anonymität.

Steffi Schünemann (Vorständin Verband und Sozialpolitik AWO Landesverband Sachsen-Anhalt e. V.) und Yvonne Joachim (Koordinatorin Frauenschutzangebote AWO Landesverband Sachsen-Anhalt e. V.) mit Staatssekretärin Susi Möbbeck

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