Appell für Qualität und Fachlichkeit in der Bildungspolitik für Kinder und Jugendliche

, Magdeburg

Die AWO Sachsen-Anhalt hat im Landesausschuss am Samstag in Magdeburg einen Appell für Qualität und Fachlichkeit in der Bildungspolitik des Landes verabschiedet

Entwicklungschancen von Kindern und Jugendlichen verbessern

„Die jüngste Personalausschreibung des Bildungsministeriums zum Seiteneinstieg an Grundschulen hat für erhebliche Irritationen gesorgt. Dies nahmen wir zum Anlass, den Fokus der Diskussion um die Verbesserung der Chancen für Kinder und Jugendliche in unserem Land auf die Qualität und Fachlichkeit zu lenken. Auch wenn die Fachkräftesituation nahezu für alle gesellschaftlichen Bereiche eine Herausforderung ist, muss die fachliche Gestaltung des Zusammenwirkens von Kinder- und Jugendhilfe und Schule im Fokus bleiben. Mit unserem Appell wollen wir eingehend darauf aufmerksam machen, dass der längst überfällige Einstieg in ein Landesprogramm für Schulsozialarbeit und die fachliche Ausgestaltung der Ganztagsförderung voranschreiten müssen. Mit beiden Vorhaben würde sowohl die Kinder- und Jugendhilfe als auch die Schule gestärkt und damit die Entwicklungschancen von Kindern und Jugendlichen verbessert“, erläutert Steffi Schünemann, Vorständin Verband und Sozialpolitik des AWO Landesverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

Die Position im Wortlaut

Appell für Qualität und Fachlichkeit in der Bildungspolitik für Kinder und Jugendliche

Die AWO Sachsen-Anhalt versteht sich als Interessenvertretung für Kinder, Jugendliche und Familien im Land. Als Trägerin von 130 Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen sorgen wir mit den Kindertageseinrichtungen, Horten und den Hilfen zur Erziehung dafür, dass Familien und Kinder ihre gesetzlichen Rechtsansprüche auf Bildung, Betreuung, Erziehung und Hilfen in herausfordernden Situationen im Sinne der Sicherung des Kindeswohls wahrnehmen können.

Die Kooperation zwischen Schule und Kinder- und Jugendhilfe gilt es dabei zu vertiefen und weiterzuentwickeln. Die Professionen der Kinder- und Jugendhilfe und der Schule leisten mit ihren spezifischen Kompetenzen einen wesentlichen Beitrag, die Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Für beide Bereiche ist die Fachkräftesituation eine der größten Herausforderungen, die nur im gemeinschaftlichen Agieren beider Systeme gemeistert werden kann. Die jüngste Ausschreibung des Bildungsministeriums zum Seiteneinstieg an Grundschulen hat zunächst für mehr als erhebliche Irritation gesorgt. Sie konnte zunächst im Wortlaut so verstanden werden, dass staatlich anerkannte Erzieher*innen mit abgeschlossenem Realschulabschluss und einer nur „wünschenswerten“ dreijährigen hauptberuflichen Tätigkeit an Grundschulen nun auch im Seiteneinstieg als Lehrer*innen an Grundschulen tätig werden können.

Die AWO nimmt die unverzügliche Klarstellung des Bildungsministeriums zur Kenntnis, dass neben der Ausbildung als staatlich anerkannte Erzieher*in die dreijährige berufliche Tätigkeit an einer Grundschule nachgewiesen werden „muss“, dies als Ausnahme nur ein äußerst überschaubarer Personenkreis ist und damit keine Abwerbung aus der Kinder- und Jugendhilfe einhergehen wird. Wir werten dies als klares Signal dafür, dass das Bildungsministerium der festen Überzeugung ist, dass die Maßnahmen zur Bekämpfung des Lehrermangels, die auf Berufsgruppen der Kinder- und Jugendhilfe zurückgreifen, zur Problemlösung aufgrund der völlig unterschiedlichen Ausbildungsschwerpunkte absolut ungeeignet sind.
Wir appellieren eingehend, dass nun die aktive Diskussion um die sinnvolle fachliche Verzahnung der Kinder- und Jugendhilfe und der Schule vorangetrieben wird und endlich wieder im Mittelpunkt der Diskussion auf Augenhöhe steht.
Schon lange ist es gesamtgesellschaftlich erforderlich, die Schnittstellen von Jugendhilfe und Schule zu klären. Nur eine Schule, die den eigenständigen gesetzlichen Auftrag der Kinder- und Jugendhilfe anerkennt und wie fachlich gefordert im kooperativen Miteinander organisiert, garantiert den ganzheitlichen Bildungs- und Erziehungserfolg. Das Schulsystem muss sich mit den Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe multiprofessionell auf Augenhöhe aufstellen, um den Entwicklungs- und Lernprozess der Kinder zu fördern.

Die AWO fordert, wie auch viele andere Akteure, deshalb den Einstieg in das längst überfällige Landesprogramm Schulsozialarbeit, das für die jungen Menschen und die Fachkräfte Planbarkeit ermöglicht und den ewigen Projektstatus mit all seinen Unsicherheiten beendet.
Zudem bedarf es endlich der qualitativen Klärung der Frage, wie gute Ganztagsförderung gelingen kann. Anstatt sich an den Problemstellungen der unterschiedlichen Trägerschaften von Schule und Hort aufzureiben, sollte auch hier zunächst die fachliche Diskussion zur ganzheitlichen Förderung der Kinder entsprechend des gesetzlichen Auftrages im Vordergrund stehen. Beteiligte AWO Träger stehen bereit für das angekündigte Modellprojekt „Kooperation Schule und Hort“, um sich mit ihrer Fachlichkeit einzubringen, den eigenständigen Auftrag der Jugendhilfe zu betonen und neue Wege zu erproben.

 

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