AWO Beratungsstelle Magdalena beteiligt sich am CSD in Schönebeck

, Schönebeck

Unter dem Motto „SCHÖNEbeck wird SCHÖNEbunt“ wurde am 23. April 2022 zum zweiten Mal der Christopher Street Day auf dem Marktplatz in Schönebeck gefeiert. Mit dabei war die AWO Beratungsstelle Magdalena.

Mit Quiz, Tombola und diversen Kreativaktionen beteiligte sich die AWO Beratungsstelle MAGDALENA - Mobile Beratung für Sexarbeiter*innen aktiv an dem Fest, bei dem Respekt und Toleranz gegenüber der queeren Community im Mittelpunkt stehen.

„Für uns als mobile Beratungsstelle für Sexarbeiter*innen, von denen sich auch einige der queeren Community zu gehörig fühlen, ist es besonders wichtig, an diesem Tag ein Zeichen für Respekt und Solidarität und gegen Hass, Ausgrenzung und Gewalt gegenüber der LSBTTIQ- Community zu setzen!“ erklärt eine Mitarbeiterin der AWO Beratungsstelle. Denn viele queere oder transidente Sexarbeiter*innen sind alltäglich mit Stigmatisierung und Gewalt konfrontiert.

Es bleibt ein stetiger Kampf, zu dem auch gehört, die Erfolge der queeren Community, wie die „Ehe für Alle“ und die Änderung des Personenstandsgesetzes, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und sichtbar zu machen. Seit vielen Jahren kämpft der Verein CSD Sachsen-Anhalt e.V. für die Aufnahme des Merkmals der sexuellen Identität in den Artikel 3 des Grundgesetzes. Auf rechtlicher Ebene hat diese Änderung u. A. in Sachsen-Anhalt bereits stattgefunden. Der Gleichstellungsartikel der Verfassung des Landes Sachsen-Anhalt lautet seit dem Februar 2020:

„Niemand darf aus Gründen des Geschlechts, der sexuellen Identität, der Abstammung oder wegen seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens oder seiner religiösen oder politischen Anschauungen oder aus rassistischen Gründen benachteiligt oder bevorzugt werden (Art. 7, Abs. 3).“

Bis die rechtliche Gleichstellung auch auf allen gesellschaftlichen Ebenen gelebt wird, ist es ein weiter Weg. „Die Präsenz der Festlichkeit rund um den CSD insbesondere auch im ländlichen Raum ist dabei ein wichtiger Faktor, die Sichtbarkeit der Community zu erhöhen und den Menschen im ländlichen Raum eine Stimme zu geben und sich zu beteiligen. Gern solidarisieren wir uns daher mit den Werten des CSD und beteiligen uns an den Forderungen für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft“, führt die Mitarbeiterin der AWO Beratungsstelle Magdalena weiter aus.

Die AWO Beratungsstelle Magdalena bietet kostenlose und anonyme Beratungen für Sexarbeiter*innen im Land Sachsen-Anhalt an. Das Beratungsangebot gilt für alle Menschen, die in der Sexarbeit tätig sind – ungeachtet ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, oder ihrer sozialen, ethnischen oder kulturellen Herkunft.

Zur Geschichte des Christopher Street Day

In den 1960er Jahren führte die New Yorker Polizei regelmäßig Razzien in einschlägigen Schwulenbars durch – und diese liefen meist nicht gewaltfrei ab. Alleine die Anwesenheit in einer Bar mit angeblich homosexuellem Publikum genügte schon, um angeklagt oder öffentlich bloßgestellt zu werden.

Die Polizisten gingen dabei nicht nur gegen Schwule und Lesben vor, sondern auch gegen transsexuelle Menschen, das heißt gegen Menschen, die im falschen Körper geboren wurden.

In der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969 stießen die New Yorker Beamten bei ihrer Arbeit jedoch plötzlich auf vehementen Widerstand. Ziel war an diesem Abend das "Stonewall Inn", eine Schwulenbar in der Christopher Street, Ecke 7th Avenue in Greenwich Village. Die Gäste lehnten sich gewaltsam gegen die Beleidigungen und willkürlichen Diskriminierungen auf.

Schlagartig entwickelte sich in den nächsten Tagen eine Solidarität unter den Schwulen und Lesben in Greenwich Village und die Aufstände gingen einige Tage lang weiter. Es entstand eine neue Bewegung der Emanzipation, sodass sich Ende Juli in New York die "Gay Liberation Front" bildete, die erstmals in der Öffentlichkeit für die Toleranz gegenüber Homosexuellen kämpfte.

Seit der Straßenschlacht mit der Polizei wird in New York jährlich am letzten Samstag im Juli ein Straßenumzug in Gedenken an den Stonewall-Aufstand veranstaltet. Das Fest auf der Straße ist bis heute das Vorbild für alle anderen Christopher Street Days (CSDs).

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