Der Mensch hinter den Schulden

, Magdeburg

Die Aktionswoche Schuldner­beratung vom 7. bis 11. Juni hat den gesamten Menschen in seinem sozialen Umfeld im Blick. Die AWO sorgt in vielen Regionen in Sachsen-Anhalt für eine soziale Schuldnerberatung.

Sachsen-Anhalt belegte auch im Jahr 2020 hinsichtlich der Überschuldungsquote im Bundesvergleich einen traurigen vorletzten Platz (SchuldnerAtlas Deutschland 2020, Creditreform). Und hier sind die wirtschaftlichen und finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie, die durch Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und weitere Einkommenseinbußen viele Haushalte treffen, noch gar nicht abgebildet. Verschuldung schränkt die Lebensgrundlage vieler Menschen ein. Das ist nicht nur ein finanzielles Problem.

„Das Angebot der sozialen Schuldnerberatung, welches die AWO in vielen Regionen in Sachsen-Anhalt vorhält, hat den gesamten Menschen in seinem sozialen Umfeld im Blick, so wie es auch das Motto der Aktionswoche Schuldnerberatung Der Mensch hinter den Schulden der Arbeitsgemeinschaft der Schuldnerberatung der Verbände ausdrückt“, so Barbara Höckmann, Präsidentin des AWO Landesverbandes Sachsen-Anhalt.

Der Mensch hinter den Schulden: „Verschulden hat nichts mit Schuld zu tun“

Nun sind – auch in Folge der Corona-Pandemie – auch unzählige (Solo)selbstständige und Freiberufler von Überschuldung bedroht. „Viele Existenzen sind finanziell prekär aufgestellt. Wir sprechen da mittlerweile nicht mehr ausschließlich über Empfänger von Grundsicherung und im Niedriglohnsektor Beschäftigte. Jetzt drohen auch Menschen und damit viele Familien in Verschuldung zu geraten, die es vorher niemals für möglich gehalten hätten“, sagt Barbara Höckmann. Menschen, die in finanzielle Not geraten sind, benötigen – unabhängig von ihrer Einkommenssituation – kompetente Unterstützung. Denn, die Entscheidung, diese Unterstützung in Anspruch zu nehmen, ist ein erster Meilenstein auf dem Weg heraus aus den Schulden. Eine qualifizierte Beratung trägt bei zur Existenzsicherung, lindert Sorgen, hilft Kreisläufe zu durchbrechen und ermöglicht die Rückkehr zur gesellschaftlichen Teilhabe und Selbstbestimmung.

Nicht alle Kommunen in Sachsen-Anhalt gewähren allen Ratsuchenden einen offenen Zugang zur Beratung. Es ist höchste Zeit, dass ein Rechtsanspruch auf Schuldnerberatung für alle – unabhängig von ihrer Einkommenssituation - ins Gesetz geschrieben und Schuldnerberatung wirklich bedarfsgerecht ausgebaut wird.

Anlässlich der Aktionswoche Schuldnerberatung, die jährlich von der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) veranstaltet wird, gibt die AWO in Sachsen-Anhalt im Rahmen ihrer Kampagne „SCHAU HIN. PACK AN! Für soziale Gerechtigkeit“ den Menschen hinter den Schulden und auch den Berater*innen der Schuldnerberatungsstellen eine Stimme. „Die Menschen haben uns erzählt, wie sie in die Schuldenfalle geraten sind und welche Wege sie gegangen sind, um dieser wieder zu entkommen. Und es zeigt sich ganz eindeutig: Verschuldung schränkt die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erheblich ein und Verschuldung hat nichts mit Schuld zu“, so Barbara Höckmann.

» Mehr zum Thema erfahren auf unserer Kampagnen-Website

» Hier gibt es das Forderungspapier der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände

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