Internationaler Tag gegen Gewalt an Sexarbeiter*innen am 17. Dezember

, Magdeburg

„Du bist doch nur ‘ne Nutte!“ Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Sexarbeiter*innen am 17.12.2021 sagt unsere AWO Beratungsstelle Magdalena Nein zu Gewalt und Nein zu Herabwürdigung von Sexarbeiter*innen!

Die Mitarbeiterinnen von MAGDALENA - Mobile Beratung für Sexarbeiter*innen unterstützen Sexarbeiter*innen aktiv bei der Information zu ihren Rechten und der Durchsetzung dieser Rechte - auch mit juristischer Hilfe. Dafür entwickelte die AWO Beratungsstelle eine Aktion, bei der die Mitarbeiterinnen in der wöchentlichen aufsuchenden Arbeit in den Prostitutionsstätten Sachsen-Anhalts Nelken an die Sexarbeiter*innen übergeben, die mit Informationen zu ihren Rechten ausgestattet sind. Zum Beispiel - das Recht auf ein gewaltfreies Leben oder das Recht frei über den eigenen Service zu entscheiden. Es geht darum Rechte, Respekt und Selbstbestimmung für Entscheidungen einzufordern, die Frauen* angesichts stark reduzierter Optionen treffen. Denn die Gefahr auf den Beruf reduziert, damit entwürdigt zu werden und Opfer eine Gewalttat zu werden, ist für einige Sexarbeiter*innen besonders hoch.  

Die Datenlage zur Gewalt an Sexarbeiter*innen ist die bundesweit ungenügend dokumentiert. Das hat verschiedenste Gründe:

Zum einen haben einige Sexarbeiter*innen Angst vor der Meldung von Straftaten bei Behörden und Polizei: Nur wenige Sexarbeiter*innen sind in Deutschland nach dem Prostituiertenschutzgesetz ordnungsrechtlich angemeldet. Laut dem Statistischen Bundesamt sind 24.900 Sexarbeiter*innen in diesem Jahr angemeldet, knapp 38% weniger als im Jahr 2020, denn dort waren es noch 40.400 Anmeldungen. Manche Sexarbeiter*innen sind nicht steuerrechtlich erfasst oder haben keinen gültigen Aufenthaltstitel in Deutschland. Aus der Expertise der Beratungsstelle Magdalena und auch den bundesweiten Erfahrungen von Fachberatungsstellen ist zu vermuten, dass manche Sexarbeiter*innen sich nicht trauen, Hilfe bei der Polizei zu suchen, um einer ordnungsrechtlichen bzw. strafrechtlichen Verfolgung zu entgehen.

Zum anderen sind fehlendes Vertrauen in staatliche Behörden, aber auch Angst vor dem Zwangsouting, der Abschiebung, Angst vor horrenden Kosten bei der medizinischen Versorgung sowie Angst vor gesellschaftlicher Stigmatisierung und Scham. Die Angst vor der gewalttätigen Person bzw. dem Trauma, die schlimmen Erfahrungen erneut bei der Befragung zu durchleben sind weitere Hintergründe für die geringe Dokumentation von Straftaten.

Somit kann die Gewalt gegen Sexarbeiter*innen nicht realistisch in Zahlen abgebildet werden, die Bedrohung ist folglich für Behörden und Polizei schwer einschätzbar.  Ohne Meldung von Straftaten bei Behörden und Polizei bzw. medizinischen oder sozialen Versorgungseinrichtungen kann Betroffenen keine ausreichende rechtliche, soziale oder medizinische Unterstützung gewährt werden.

Die AWO Beratungsstelle Magdalena kämpft gegen jede Form von Gewalt und Ausbedeutung in der Sexarbeit, sei es zwischen Sexarbeiter*in und Kunden, Sexarbeiter*innen untereinander oder zwischen Sexarbeiter*in und Bordellbetreiber*in. Menschen – auch Kund*innen, die Zwangslagen von Sexarbeiter*innen ausnutzen, müssen konsequent strafrechtlich verfolgt werden (§ 232a Zwangsprostitution Absatz 6). Wer seine Rechte kennt, kann diese einfordern und geltend machen.

Hintergrund des Internationalen Tag gegen Gewalt an Sexarbeiter*innen

Eingeführt wurde der Internationale Tag gegen Gewalt an Sexarbeiter*innen anlässlich einer Reihe von Morden an Sexarbeiterinnen in den 1980er Jahren in Seattle (USA). Der 17. Dezember wurde im Gedenken an die Opfer des Green-River-Mörders gewählt. Dieser ermordete 49 Sexarbeiterinnen von 1982 bis 1993. Der heutige Internationale Tag gegen Gewalt an Sexarbeiter*innen wurde von Sexarbeiter*innen eingeführt, die für Rechte und Anerkennung kämpfen. Ausbeutung, Körperverletzungen, Missbrauch und Vergewaltigungen sind Folgen für einige Sexarbeiter*innen und traurige Alltagsrealität.

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