Brötchentüten werben für Gewaltlosigkeit

, Magdeburg

Die AWO Fachstelle Vera beteiligt sich in Magdeburg an der Aktion „Gewalt kommt nicht in Tüte“ anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen. 

Mit der Aktion „Gewalt kommt nicht in Tüte“ macht das Netzwerk Frauenschutz Magdeburg in Kooperation mit den Soroptimistinnen Magdeburg anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen auf dieses noch immer aktuelle und drängende Thema aufmerksam. Mit dem Ziel, für die Betroffenen von Frauenhandel, Zwangsverheiratung und Menschhandel in der Landeshauptstadt durch intensive Kooperation und Bündelung von Ressourcen im Gewaltschutznetzwerk, Hilfeprozesse zu optimieren, engagiert sich auch die AWO Fachstelle Vera   in diesem lokalen Netzwerk.

Gewalt kommt nicht in die Tüte - AWO Fachstelle Vera beteiligt sich an Aktion zum Tag gegen Gewalt an Frauen
Gewalt kommt nicht in die Tüte - AWO Fachstelle Vera beteiligt sich an Aktion zum Tag gegen Gewalt an Frauen

Laut der im November diesen Jahres von Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vorgestellten Polizeilichen Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes für das Jahr 2019 ist die Zahl an Gewaltdelikten gegen Frauen in oder nach Beziehungen weiter angestiegen. Dazu zählen Delikte wie Mord, Totschlag, Körperverletzung, Vergewaltigung oder Stalking.

 117 Frauen wurden 2019 Opfer von tödlicher Partnerschaftsgewalt.
 Bei 301 Frauen gab im vergangenen Jahr einen Tötungsversuch in oder nach Beziehungen.
 Insgesamt gab es laut Statistik mehr als 141.000 Opfer von vollendeten und versuchten Delikten der Partnerschaftsgewalt.
 81% der Betroffenen von Partnerschaftsgewalt waren Frauen.

Das bedeutet, dass fast an jedem 3. Tag eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet wird. Alle 45 Minuten wird eine Frau Opfer von gefährlicher Köperverletzung durch den Partner.

Gewalt kommt nicht in die Tüte - AWO Fachstelle Vera beteiligt sich an Aktion zum Tag gegen Gewalt an Frauen

Die Zahlen sind also weiterhin auf einem alarmierenden und erschreckenden Niveau. Dabei handelt es sich nur um polizeilich erfasste Fälle. Im Bereich der Gewalt im sozialen Nahbereich wird allgemeinhin von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen, da viele Frauen ihren Partner oder Ex-Partner nicht anzeigen oder die Polizei informiert wird. Dieses Phänomen ist auch bei Betroffenen von ehrbezogener Gewalt und Zwangsverheiratung häufig zu beobachten.

Folglich braucht es auch künftig einen dauerhaften und konsequenten politischen, rechtlichen und zivilgesellschaftlichen Einsatz gegen Gewalt. Es gilt aufzuklären, zu sensibilisieren und den Zugang zu Unterstützungsangeboten zu erleichtern.

Dazu soll auch die Gemeinschaftsaktion des Netzwerks ‚Gewalt kommt nicht in Tüte‘ einen Beitrag leisten. In verschiedenen Backwarenläden der Landeshauptstadt werden die Backwaren in die eigens für die Aktion gestalteten Tüten verkauft, auf denen auf die verschiedenen Unterstützungsangebote aus dem Gewaltschutzbereich in Magdeburg hingewiesen wird. Die Initiatorinnen wollen so die Informationen zum Gewaltschutznetzwerk niedrigschwellig an die betroffenen Frauen bringen und den – auch durch die Einschränkungen aufgrund der Covid 19-Pandemie erschwerten - Zugang zu den Hilfsangeboten, wie Frauenschutzhaus und Beratungsstellen erleichtern.

Das Netzwerk Frauenschutz Magdeburg ist ein Zusammenschluss aus lokalen Gewaltschutzeinrichtungen:
- AWO Fachstelle Vera gegen Frauenhandel und Zwangsverheiratung in Sachsen-Anhalt
- Frauen- und Kinderschutzhaus Magdeburg und Frauenberatungsstelle, Rückenwind e.V. Bernburg
- Gleichstellungsamt der Stadt Magdeburg
- Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt und Stalking der Landeshauptstadt Magdeburg
- Wildwasser Magdeburg e.V. - Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt
- Opferberatungsstelle, Sozialer Dienst der Justiz Magdeburg

25.11. – Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Vor 54 Jahren wurden die Schwestern Maria, Minerva und Patria Minerva durch die Geheimpolizei der Trujillo-Diktatur in der Dominikanischen Republik vergewaltigt und ermordet. Die drei Schwestern hatten jahrelang gegen die Diktatur Widerstand geleistet. Trotz Gefangenschaft und Folter hielten sie an ihrem Widerstand gegen Faschismus und Unterdrückung fest. Nach ihrer Ermordung weitete sich der Widerstand derart aus, dass die Trujillo-Diktatur zu Fall gebracht wurde. 1936 hatte Maria Teresa Mirabel in einer Rede gesagt: „Vielleicht erwartet uns bald schon der Tod, jedoch macht mir das keine Angst. Wir werden weiter für all das kämpfen, was gerecht ist.“ Für freiheitsliebende Frauen ist eine solche würdevolle Haltung heute wie damals notwendig. Der Mut der Mirabal-Schwestern gilt inzwischen als Symbol für Frauen weltweit, die nötige Kraft für das Eintreten gegen jegliches Unrecht zu entwickeln. Im Gedenken an die Schwestern Mirabel wurde der 25.11. zum internationalen Tag von Frauen gegen jegliche Form von Gewalt erklärt.

Gewalt gegen Frauen ist weltweit die häufigste Menschenrechtsverletzung und prägt den Alltag vieler Frauen in Deutschland und weltweit. Gewalt an Frauen zeigt sich in verschiedenen Formen: unter anderem in der häuslichen Gewalt, sexualisierter Gewalt, dem Frauenhandel in die sexuelle Ausbeutung, die Ausbeutung der Arbeitskraft sowie in die Ehe, der Zwangsverheiratung und der Genitalverstümmelung. Unbedingt benannt werden müssen in diesem Zusammenhang auch die subtileren und weniger sichtbaren Formen von Gewalt. Auch psychische Gewalt, Stalking, ökonomische Abhängigkeit und strukturelle und rassistische Formen von Gewalt hinterlassen schwerwiegende Spuren und richten unermesslichen psychischen Schaden an.

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