Neues aus dem Tagebuch eines AWO Pflege-Clowns

, Magdeburg

Mit viel Empathie, Kreativität und jeder Menge Humor sind die Pflege-Clown*innen in AWO Seniorenzentren aktiv.

Liebes AWO Pflege-Clown-Tagebuch,

AWO-Pflegeclowns Brüni und Ruben sind in den Seniorenzentren unterwegs

Rosenmontag ­- an diesem Tag rechnet ja glücklicherweise niemand mit einem Pflege-Clown :) . Na gut, vielleicht doch. Normalerweise erhalten wir für unsere Besuche eine Liste. Heute aber lassen wir den Zufall entscheiden, auf wen wir treffen. Umso größer war die Wiedersehensfreude bei so Manchem.

AWO-Pflegeclown Ruben berichtet von seinem ehrenamtlichen Engagement

Unsere lieb gewonnene Bewohnerin am Aquarium wird mit Eskimo-Kuss begrüßt. Sie lacht so herzlich, dass es im Flur nur so schallt. Auch die Verwaltungsangestellte unseres Vertrauens wird mit eingebunden. Sie bekommt sogar eine provisorische rote Nase – ehrenhalber versteht sich, ist ja Rosenmontag. Außerdem erhält sie ein „Kompliment to go“ mit auf den Weg, das unsere Kollegin Anne, Referentin für Sprach-Kitas beim AWO Landesverband, mit Liebe gestaltet hatte. Es kommt echt gut an, mal ein Lob schwarz auf weiß von zwei Clowns zu bekommen!

Dann führt uns die Stippvisite von der "Küste" auf die "Wiese", dem Wohnbereich in der Mitte. Die Dame im Aufenthaltsraum winkt uns freudig zu. Wir kennen uns mittlerweile. Eine andere spielt mit ihrem Kuscheltierhund. Das Hündchen ist natürlich gut abgerichtet – „Sitz!“ kann der wie eine Eins. Clown Brüni beschließt kurzerhand, der Dame von meinen vermeintlichen Hundevorfahren zu erzählen. Und dann berichtet mein südamerikanischer Clownsfreund Brüni von seiner tierischen Verwandtschaft im Aquarium: Als Brasilianer hat man natürlich Fischverwandte, das weiß jedes Kind! Es folgt eine ausgleichende Gerechtigkeit. Ich muss ich "Sitz" machen. Das klappt natürlich nicht. Ich stoße mich noch und sitze auch irgendwie nicht richtig an der Wand. Eine andere Frau auf ihrem Rollator wird auf uns aufmerksam und spricht uns an: Wo wir denn herkommen? Brüni verwandelt sich in einen Zwerg und wir spielen, dass wir aus einer Miene im Keller kommen. Dort haben wir Diamanten und wilde Autoreifen ausgegraben. Einer der Reifen hätte uns fast erwischt. Da sind wir auf die Wiese geflohen. So ganz scheint die Dame am Rollator uns diese Geschichte nicht abzunehmen, aber sie spielt mit.

Jetzt wollen wir noch zu unserer „ErstesZimmerbeiderHospitationsOma“. Sie ist leider zwischenzeitlich verstorben. Wir sind betrübt, machen uns dann aber auf den Weg in das obere Stockwerk, den Garten.

In einem Zimmer, in das uns eine lächelnde Pflegekraft auf dem Flur direkt hineinführt, treffen wir auf ein liebes Ehepaar. Herr G ist bettlägerig. Seine Frau hat in dem wohnlich eingerichteten Zimmer aber alles im Griff. Was wir denn machen und wieso wir da sind, will sie wissen. Wir sind hier wegen der Kochausbildung, antworten wir. Welch Zufall, dass die gute Frau früher eine talentierte Köchin war und mit uns eine Suppe zubereiten möchte. Da Lachsuppe als unschmackhaft abgelehnt wird, schlägt Frau G. vor, eine Schildkrötensuppe zu kochen. Frische gibt es aber gerade nicht mehr. Daher suchen wir nach Exemplaren in Dosen. Als wir auch diese nicht finden können, wechseln wir zu Froschschenkeln. Da fällt Frau G. ein, dass man die Schenkel in Deutschland nicht mehr zubereiten darf. Und überhaupt: Die sind doch viel zu dünn! Da ist nix dran. Dünn wie die Beine von Brüni! Und sowieso! Und außerdem: So wie wir rumlaufen, nimmt uns doch keiner als Koch. Wir müssen erst die Leute kennen lernen. Wichtige Leute. Und üben, sonst wird das nichts.

Ich komme kaum hinterher mit den Notizen schreiben auf meinem imaginären Zettel. Jetzt fällt ihr auf, dass Rosenmontag ist. Wie schön war es damals, als sie beide nach Mainz eingeladen worden sind, erinnert sich Frau G. Sie schließt sich unserem Schauspiel an.  Und plötzlich sind wir nicht mehr in der Küche, sondern auf dem Weg zum Karneval. Wir beschließen, gemeinsam nach Mainz zu fahren. Dann legen wir einen Autoschlüssel auf den Tisch und sagen „Auf gehts nach Mainz!“.  Da man mit unserem Aussehen nirgends reinkommt, verrät uns Frau G. noch ein paar Tipps und Tricks, das zu kompensieren. Als letztes kommen wir in Frau Gs Polizeikontrolle. Sie wünscht, dass wir gerade auf dem Strich gehen. Ihr fällt der Wortwitz nicht auf. Wir müssen uns ein bisschen das Lachen verkneifen und schaffen es im Zick-zack-Schritt nicht, ihre hohen Erwartungen zu erfüllen. Mit einer langen Liste an Ratschlägen verabschieden wir uns beim Ehepaar G. und machen uns langsam auf den Heimweg.

Beim Weg in die Umkleide gibt es noch einen "Auf-Wiedersehens-Eskimokuss" mit unserer Bewohnerin am Aquarium. Wir kommen und gehen mit einem Lachen im Haus Krähenstieg und sind gespannt, wie es beim nächsten Mal läuft.

Liebe Grüße

AWO-Pflegeclown Ruben

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