Zum Tag der Inklusion: Mehr investieren in Barrierefreiheit

, Magdeburg

Unter dem Motto „Tempo machen für Inklusion – barrierefrei zum Ziel“ beteiligt sich die AWO in Sachsen-Anhalt an den Aktionswochen zum 30. Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung.

Barbara Höckmann: Diskrepanzen zwischen den Regeln der UN Behindertenrechtskonvention und der Lebensrealität

Barrierefreiheit nutzt allen: Menschen mit und ohne Behinderung, Senioren*innen, Kindern, Eltern und Menschen, die nur vorübergehend in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. So hilft eine Rampe Eltern mit Kinderwagen, alten und gehbehinderten Menschen gleichermaßen. Und Texte in einfacher Sprache oder mit Bebilderung sind nicht nur für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder Kinder hilfreich. Sie sind auch nützlich für Menschen, die wenig Deutsch sprechen, die nicht oder kaum lesen können oder sich an einem Ort nicht auskennen. Barrierefreiheit bedeutet nicht nur Zugänglichkeit, sondern auch Teilhabe. Das möchte die AWO in Sachsen-Anhalt mit zahlreichen inklusiven Veranstaltungen und Aktionen im Harz, in Magdeburg und im Salzlandkreis verdeutlichen. Dazu gehören barrierefreie Rundfahrten mit der E-Rikscha, bunte Kinder-Baustein-Rampen vor Geschäften, generationsübergreifende Spaziergänge mit Hindernissen sowie ein interkulturelles Garten-Protest-Fest.

Barbara Höckmann, Vorsitzende des Präsidiums des AWO Landesverbandes Sachsen-Anhalt e. V., erklärt dazu:
„Nach wie vor gibt es Diskrepanzen zwischen den Regeln der UN Behindertenrechtskonvention und der Lebensrealität. Behinderung ist immer mit den Rahmenbedingungen der Gesellschaft verknüpft. Insbesondere die fehlende Barrierefreiheit im Alltag stellt Menschen mit Beeinträchtigungen immer wieder vor besondere Herausforderungen.
Daher fordert die AWO Sachsen-Anhalt barrierefreien Zugang zu Freizeit- und Kulturangeboten sowie Einrichtungen des täglichen Lebens. Barrierefreiheit bedeutet nicht nur Zugänglichkeit, sondern auch Teilhabe. Menschen mit Behinderung wollen aktiv am Alltag teilhaben und das kulturelle Leben als Zuschauende und Teilnehmende mitgestalten. Die AWO in Sachsen-Anhalt führt deshalb rund um den europäischen Protesttag verschiedene Aktionen durch, um für mehr Gleichstellung von Menschen mit Behinderung einzutreten.“

Ausgewählte Veranstaltungen

Quedlinburg, 5. Mai – Kunterbunte Baustein-Rampe und E-Rikscha / Innenstadt

Die AWO Ehrenamtsakademie Sachsen-Anhalt und der AWO Kreisverband Harz e.V. sind in Quedlinburg bei der Eröffnungsveranstaltung "Host Town für die Special Olympics 2023" am Start. Sie präsentieren die gemeinsamen Projekte "Radeln mit Herz - Zu zweit auf drei Rädern" und "Kinder bauen Barrierefreiheit". Zwischen 10.00 und 11.00 Uhr stellen die Kinder und Erzieher*innen der AWO Kinderland Bummi ihre kunterbunte Baustein-Rampe für mehr Barrierefreiheit in der Quedlinburger Innenstadt vor. Gefördert über die Partnerschaft für Demokratie Quedlinburg schaffen Kinder aus Quedlinburg nicht die Stadt in der Bäckerei Schäfers am Markt ein Stückchen barrierefreier, sondern mit 7000 Plastiksteinen auch ein wenig bunter zu machen. Zudem haben alle Besucher*innen die Möglichkeit, sich persönlich ein Bild von den beiden Inklusionsprojekten der AWO in Sachsen-Anhalt zu machen und erfahren, wie einfach es sein kann, sich praktisch bei der AWO für mehr Inklusion in Quedlinburg einzusetzen.

Magdeburg, 4. Mai – Interkulturelles Garten-Protest-Fest / Sudenburg

Auch das miko Projekt des AWO Landesverbandes für Menschen mit Migration und Behinderung führt einen Aktionstag durch, um auf die entsprechenden Bedarfe und Rechte dieser Zielgruppe aufmerksam machen. Am Mittwoch, den 4. Mai, steigt in der Klausenerstraße 17 in Magdeburg-Sudenburg von 13.00 bis 18.00 Uhr ein interkulturelles Garten-Protest-Fest. Neben inklusiven Aktivitäten wie Bogenschießen für Sehbeeinträchtigte und E-Rikscha-Touren für Menschen mit Mobilitätsbeeinträchtigungen gibt es interkulturelle Live-Musik sowie Redebeiträge aus Politik und Gesellschaft. Zusammen mit dem städtischen Netzwerk und Ehrenamtlichen will die AWO Menschen mit Migrationshintergrund und Behinderung in der Landeshauptstadt sichtbar machen, ihre Geschichten erzählen und Barrierefreiheit für alle fordern.
Der Name miko steht für miteinander kommunizieren. Das Projekt unterstützt Migrant*innen mit Behinderung. Aufgrund ihrer Beeinträchtigung können sie oft keine regulären Integrationskurse besuchen und Begegnungsangebote wahrnehmen. Im Projekt miko können sie Deutsch lernen, das deutsche Sozialwesen verstehen, Kontakte knüpfen und wichtige Schritte zu einem selbstbestimmten Leben machen.

Schönebeck / Barby / Calbe – 3. und 5. Mai – Spaziergänge mit Hindernissen

Zu Spaziergängen mit Hindernissen lädt der AWO Kreisverband Salzlandkreis e. V ein. Die Kinder der Kitas „Knirpsenland“ und „Elbekrabben“ in Schönebeck werden am 3. Mai bei einem gemeinsamen Vormittags-Spaziergang von 9 bis 11 Uhr Barrieren erkunden und so ganz niedrigschwellig an das Thema Inklusion herangeführt. Ebenfalls am 3. Mai startet der „Teen Club Barby“ mit dem Seniorenwohnpark Barby von 15.00 bis 17.00 Uhr eine gemeinsame Aktion. Bei gemeinsamen Spaziergängen mit dem Rollstuhl, Rollator oder Gehstock soll das Bewusstsein für Hindernisse im Alltag geschärft werden. Auch eine Fahrt mit der E-Rikscha, einem Projekt der AWO Ehrenamtsakademie, ist möglich. Am 5. Mai steht in der Kita „Haus des Kindes“ in Calbe das Thema Inklusion groß auf dem Programm.

Hintergrund

Am 5. Mai 1992 fand in 40 deutschen und 100 weiteren Städten in 18 europäischen Staaten der erste europäische Protesttag unter dem Motto „Lautstark für Gleichstellung und gegen Diskriminierung“ statt. Dieser Protesttag wurde von der Behindertenbewegung ins Leben gerufen und hatte eine europäische Ausrichtung. Die Menschen mit Behinderung forderten volle Gleichstellung im Alltag. Dieser Tag jährt sich zum 30. Mal. Seither ist einiges passiert: die UN Behindertenrechtskonvention (UN BRK) ist in Kraft getreten, die Verfassung wurde ergänzt, neue Gesetze (SHB IX und Behindertengleichstellungsgesetz) und Richtlinien wurden erlassen. Einiges hat sich entwickelt, doch es ist noch viel zu tun.

 

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