AWO Fachstelle Vera begrüßt Schutzbrief gegen Genitalverstümmelung

, Magdeburg

Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, nahm den internationalen Tag gegen Genital­verstümmelung zum Anlass, einen Schutzbrief vorzustellen.

Schutz von gefährdeten Mädchen und jungen Frauen

Am 6. Februar war der internationale Tag gegen Genitalverstümmelung. Bundesministerin Franziska Giffey stellte im Zuge dessen einen Schutzbrief vor. Das Dokument der Bundesregierung soll die gefährdeten Mädchen vor dieser folgenreichen und menschenverachtenden Praktik schützen. Die AWO-Fachstelle Vera - Fachstelle gegen Frauenhandel und Zwangsverheiratung begrüßt den Vorstoß von Ministerin Giffey als einen wichtigen Beitrag zum Schutz gefährdeter Mädchen und jungen Frauen.

FGM (Weibliche Genitalverstümmelung vom englischen female genital mutilation) ist eine weltweit verbreitete Praktik, bei der die Klitoris und/oder die Schamlippen der betroffenen Mädchen und jungen Frauen ganz oder teilweise entfernt werden. Aus dieser Praxis ergeben sich für die Mädchen schwerwiegende physische und psychische Folgen: u.a. Infektionen durch mangelnde Sterilität der Instrumente, Traumatisierung, lebenslange Schmerzen, Probleme beim Abfluss von Menstruationsblut, Schmerzen beim Wasserlassen, Unfruchtbarkeit und Komplikationen in Schwangerschaft und unter der Geburt. Genitalverstümmelung kann unterschiedliche Beweggründe haben, wie die Aufnahme in eine Gemeinschaft, Ästhetik sowie die Kontrolle über die weibliche Lust. Dabei spielen aber auch Falschannahmen zu Vulva und Klitoris im Speziellen eine große Rolle, etwa dass die Klitoris als unrein gilt und ihr sogar tödliche Kräfte zugesprochen werden. Die Entfernung der Klitoriseichel wurde zur Heilung von der sogenannten Hysterie sowie zur Unterbindung von Lust durchgeführt. Heute sind vor allem Mädchen und Frauen aus Somalia, Ägypten, Guinea, Mali, Sierra Leone und Sudan betroffen, hier sind 70 bis 99 Prozent der Bewohnerinnen beschnitten. In Mauretanien, Guinea-Bissau und Liberia sind es 50 bis 69 Prozent. Aber auch einige Länder in Asien, wie Jemen, Syrien, Teile des Iraks, einige Gruppen in Malaysia und Indonesien praktizieren FGM oder haben es zumindest in jüngerer Vergangenheit getan.

Auch in Deutschland ist FGM ein ernstzunehmendes Thema. Nach Recherchen der Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES gab es 2019 in Deutschland 75 000 Betroffene sowie 20 000 gefährdete Mädchen und Frauen. Immer wieder fahren Eltern mit ihren Kindern ins Ausland, um diese Tradition fortzuführen. In dem Dokument, welches die Mädchen bei sich tragen können, wird potenziell Betroffenen die rechtliche Lage zum FGM in Deutschland erläutert sowie das Strafmaß für Täter*innen. Dies ist im § 226a StGB geregelt. Demnach wird FGM sowohl im In- als auch im Ausland mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft, auch die Beihilfe ist strafbar. Des Weiteren finden sich Hilfsangebote sowie ein erklärender Text zum Thema Genitalverstümmelung. Mit dem Dokument können sich gefährdete Mädchen in ihrer Familie Gehör verschaffen und sich wehren. Der Brief wurde von den Bundesminister*innen Franziska Giffey, Christine Lamprecht, Horst Seehofer, Heiko Maas sowie Jens Spahn unterschrieben.

» Hier steht der Schutzbrief in verschiedenen Sprachen zum Download bereit.

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