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Beratungsstelle Magdalena erinnert an 45 Jahre Welthurentag

Magdeburg,

Weltweit wird am 2. Juni der 45. Welthurentag begangen und erinnert an die prekären und diskriminierenden Lebenslagen vieler Sexarbeiter*innen in Deutschland, Europa und auf der ganzen Welt.

 
Erstellte Graphik zum Welthurentag
Bildquelle: Piktochart

Noch immer leben zahlreiche Sexarbeiter*innen am sozial-ökonomischen Rand der Gesellschaft, die von Wohlstand und sozialer Sicherung ausgeschlossen sowie erheblich mit gesellschaftlicher Ausgrenzung konfrontiert sind - unter Ihnen insbesondere Menschen, die in Armut leben, Migrant*innen mit unsicherem Aufenthaltsstatus, Geflüchtete, trans- und homosexuelle Personen und Drogen gebrauchende Menschen.

Die vergangenen Monate, geprägt von den Maßnahmen zur Eindämmung der Covid 19 – Pandemie, haben noch einmal verdeutlicht, dass Sexarbeiter*innen, da sie in einem stark kriminalisierten und diskriminierten Sektor arbeiten, zu den am stärksten marginalisierten Bevölkerungsgruppen gehören, die dadurch von den Einschränkungen mitunter am meisten betroffen sind. Die Krise macht das Ausmaß der sozialen, emotionalen, rechtlichen und wirtschaftlichen Benachteiligung sichtbar: massive Einkommensausfälle und drohende Obdachlosigkeit durch die Schließung von Prostitutionsstätten, ein erschwerter Zugang zu Grund- und Krankenversicherung und nicht zuletzt gesellschaftliche Herabwürdigung aufgrund der Tätigkeit in der Sexarbeit. 

Der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD e. V.) veröffentlichte kürzlich mit Blick auf die schwierige Lage vieler Sexarbeiter*innen ein Hygienekonzept für eine mögliche geordnete Öffnung aller Bereiche der Sexarbeit und legt damit einen Grundstein für den gesellschaftlichen Diskurs zur Gleichbehandlung von Sexarbeit mit vergleichbaren körpernahen Dienstleistungen, wie beispielsweise nicht-medizinischen Massagen, in der Krise. Die AWO Beratungsstelle Magdalena – Mobile Beratung für Sexarbeiter*innen begrüßt diesen Vorstoß und sieht mit Blick auf die Erfahrungen der vergangenen Monate auch im Land Sachsen-Anhalt erhöhten Handlungsbedarf, da sich zahlreiche Sexarbeiter*innen auch vor Ort durch die bestehenden Einschränkungen in höchstprekären Situationen befinden. Das vom BesD e. V. vorgelegten Hygiene-Konzept liefert nun mehr die Basis für eine schrittweise Wiedereröffnung der Prostitutionsstätten – auch in Sachsen-Anhalt, von der die Existenzen zahlreicher Sexarbeiter*innen abhängen, und setzt damit ein Zeichen gegen die Benachteiligung der in dieser Branche tätigen Menschen. Wir als AWO Beratungsstelle Magdalena – Mobile Beratung für Sexarbeiter*innen bieten gern die Expertise unserer Mitarbeiter*innen für einen kritischen Dialog über eine regionale Adaptation des Hygiene-Konzepts an und stehen politischen Entscheidungsträger*innen und Gesundheitsämtern für eine gemeinsame Erarbeitung von geeigneten Regelungen im Land Sachsen-Anhalt zur Verfügung, um einen geordneten schrittweisen Öffnungsprozess der hiesigen Prostitutionsstätten zu initiieren. Dies wäre dringend erforderlich, um die prekäre Situation vieler Sexarbeiter*innen im Land zu verbessern und ein Zeichen für die Einhaltung der Grundrechte von Sexarbeiter*innen zu setzen, die ein allgemeingültiges Recht auf eine freie Berufswahl sowie ein Recht auf ein allen anderen Menschen gleichgestelltes Leben haben.

Der Welthurentag findet seinen Ausgangspunkt am 2. Juni 1975

Zu dieser Zeit gingen die französischen Strafverfolgungsbehörden vehement und gewaltsam gegen Sexarbeiter*innen vor, sodass diese gezwungen waren, ihre Arbeit im Verborgenen zu entrichten. Durch die fehlende Sichtbarkeit und Öffentlichkeit in der Gesellschaft kam es vermehrt zu Gewalttaten gegen Prostituierte. Nach zwei Mordfällen und der fehlenden Bereitschaft der Regierung, die Situation der Prostituierten zu verbessern, besetzten Sexarbeiterinnen in Lyon schließlich eine der örtlichen Kirchen – die Saint-Nizier in der Rue de Brest – und traten in den Streik, um auf ihre menschenunwürdige Situation aufmerksam zu machen. Nach acht Tagen wurde die Kirche polizeilich geräumt. Mit diesem Protest erregten die Sexarbeiter*innen weltweit Aufsehen. In vielen anderen Ländern kam es zu Sympathiebekundungen auch außerhalb des Milieus. Diese Protestaktion gilt nun mehr als Startpunkt der Hurenbewegung und wird seit 1976 jährlich am 2. Juni als Welttag der Huren gefeiert. Im Jahr 2001 erhielt der rote Regenschirm den Status als Symbol des Widerstandes gegen Unterdrückung und Diskriminierung von Prostituierten.

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