Ist ein Fahrrad noch fahrtüchtig, wenn Bremse, Kette, ein Pedal oder das Licht fehlen? Nein! In der Zeit vom 28. September bis 2. Oktober veranschaulicht die AWO in Magdeburg an acht verschiedenen Orten mit bunt gestalteten aber fahruntüchtigen Fahrrädern die Folgen bundesweiter Kürzungen im Integrationsbereich.
Denn unsere Gesellschaft funktioniert nur dann gut, wenn Menschen die Unterstützung erhalten, die sie brauchen, um anzukommen, mitzumachen und sich eine Zukunft aufzubauen. Die bundesgeförderten Migrationsfachdienste begleiten jedes Jahr Hunderttausende Menschen mit Einwanderungs- und Fluchterfahrung. Sie helfen beim Spracherwerb, unterstützen bei Bildung, Ausbildung und Arbeit und stehen Menschen im oft schwer verständlichen Kontakt mit Behörden zur Seite. Sie schaffen Orientierung, fördern gesellschaftliche Teilhabe und entlasten gleichzeitig Kommunen, Bildungseinrichtungen und soziale Dienste.
Doch diese Arbeit ist aktuell bedroht. Programme stehen unter finanziellem Druck. Personalkostensteigerungen, inflationsbedingte Verteuerung von Sachmitteln sowie stetig komplexere Beratungsbedarfe stehen dem jährlichen Kampf um Kürzungsszenarien gegenüber. In einigen Programmen wird sogar massiv abgebaut. Die Asylverfahrensberatung soll zum Beispiel von 25 Millionen Euro auf 5 Millionen Euro gekürzt werden. Auch in der Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte ist im derzeitigen Haushaltsplan eine Kürzung von 3,98 Millionen vorgesehen. Viele Träger und Beratungsstellen arbeiten bereits heute am Limit und können ihre steigenden Kosten nicht ausgleichen.
Mit den Kürzungen im derzeitigen Haushaltsplan 2027 sind massive Einschränkungen in der Beratungs- und Unterstützungslandschaft zu erwarten.
Ohne Migrationsberatung müssten viele Menschen, die zum Teil die Sprache erst erlernen, komplexe Behördenverfahren zu Asly- und Aufenthaltsrecht, Ausbildungs- und Jobsuche, und weitere Integrationsschritte allein bewältigen. Die Folgen wären mehr Fehlanträge, längere Verwaltungsverfahren und höhere Folgekosten für die Allgemeinheit. Ohne Unterstützung bei der Integration verschärft sich die gesellschaftliche Spaltung. Integration braucht Menschen, die begleiten, beraten und Brücken bauen. Eine offene, solidarische Gesellschaft darf die Menschen, die Orientierung und Unterstützung brauchen, nicht im Stich lassen. Die AWO fordert deshalb eine verlässliche und bedarfsgerechte Finanzierung der Migrationsfachdienste, die ihrer Systemrelevanz für unsere Gesellschaft entspricht.
An folgenden Orten in Magdeburg sind ab 28. September Fahrräder mit fehlenden Teilen aufgestellt:
Alter Markt, Thiemplatz, Konrad-Adenauer-Platz (Hauptbahnhof/ZOB), Ecke Leipziger Straße/Halberstädter Straße, Nicolaiplatz, Campus Welcome Center (Denhardtstraße), Hasselbachplatz (Liebigstraße) und Eiskellerplatz
Mehr zur Aktionswoche der bundesgeförderten Migrationsfachdienste 2026:
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) und beteiligte Verbände machen mit Aktionen vor Ort auf die Bedeutung der Migrationsfachdienste aufmerksam. Dazu gehören die Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE), Jugendmigrationsdienste (JMD), Psychosoziale Zentren für Geflüchtete (PSZ) sowie die Asylverfahrensberatung (AVB).
Im Fokus stehen die aktuellen Beratungen zum Bundeshaushalt 2027 und die drohenden Kürzungen bei den bundesgeförderten Programmen. Bundesweit sind dezentrale Aktionen wie Tage der offenen Tür, Fachgespräche, Straßenkunstaktionen und Podiumsdiskussionen mit Politiker*innen geplant.