Migration ist jung, engagiert und fleißig – Integration gelingt durch Chancen, nicht durch Abschottung!

, Magdeburg

Die AWO Sachsen-Anhalt begrüßt den Abschlussbericht zum Landesintegrationskonzept und betont, dass erfolgreiche Integration durch faire Chancen und Teilhabe gelingt – zum Nutzen von Gesellschaft und Wirtschaft.

Die AWO in Sachsen-Anhalt begrüßt die Veröffentlichung des Abschlussberichts zum Landesintegrationskonzept Sachsen-Anhalt. Die aktuellen Zahlen* bestätigen, was unsere sozialen Einrichtungen und Dienste in ihrer täglichen Arbeit seit Jahren erleben: Zugewanderte sind längst ein unverzichtbarer Teil unserer Gesellschaft – jung, engagiert und fleißig.

Mehr als 71.800 Menschen mit ausländischem Pass arbeiten sozialversicherungspflichtig in Sachsen-Anhalt – das sind etwa neun Prozent aller Beschäftigten. Zusätzlich absolvieren fast 4.000 eine Ausbildung. Gleichzeitig engagieren sich Menschen mit Migrationsgeschichte überdurchschnittlich häufig ehrenamtlich und sind deutlich jünger als die übrige Bevölkerung: Knapp 37 Prozent der Menschen mit Migrationsgeschichte engagieren sich landauf und landab in Vereinen und Projekten und damit häufiger als Menschen ohne Migrationserfahrung (30,9 Prozent). Zudem sind Zugewanderte deutlich jünger als die übrige Bevölkerung: Nur 8,9 Prozent sind über 65 Jahre alt, gegenüber knapp 30 Prozent in der Bevölkerung ohne Migrationsgeschichte.

Entgegen rechtsextremer Stimmungsmache: Sachsen-Anhalt profitiert wirtschaftlich und gesellschaftlich enorm von Zuwanderung.

Vor diesem Hintergrund kritisiert die AWO in Sachsen-Anhalt die mit dem Gemeinsamen Europäischen Asylsystem (GEAS) seit Juni 2026 implementierten Verschärfungen. 75 Jahre nach Unterzeichnung der Genfer Flüchtlingskonvention am 28. Juli 1951 erleben wir restriktivere Asylverfahren, bürokratische Leistungskürzungen und neue Formen zentralisierter Unterbringung. Am Standort der Zentralanlaufstelle für Geflüchtete in Halberstadt soll ein sogenanntes Sekundärmigrationszentrum mit 150 Plätzen entstehen, in dem Menschen unter haftähnlichen Bedingungen untergebracht werden – auch schutzbedürftige Personengruppen und Kinder können betroffen sein.

Die AWO in Sachsen-Anhalt nimmt diesen Angriff auf grundlegende Menschenrechte nicht hin: „75 Jahre nach der Genfer Flüchtlingskonvention dürfen wir nicht zulassen, dass Schutzsuchende in ihren Rechten eingeschränkt und Integration erschwert wird. Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Not fliehen, brauchen faire Verfahren, Beratung und eine echte Perspektive“, erklärt Steffi Schünemann, AWO-Vorständin für Verband und Sozialpolitik.

Die AWO fordert deshalb mehr Chancen und weniger Bürokratie: Faire und schnelle Asylverfahren, unabhängige Beratung, Arbeitserlaubnisse von Anfang an, einen frühzeitigen Zugang zu Sprachkursen sowie schnellere Anerkennung ausländischer Abschlüsse, gleiche Bildungschancen für alle Kinder, eine dezentrale Unterbringung und eine stärkere Unterstützung der Kommunen. Gleichzeitig müssen Beratungsangebote für Geflüchtete und Zugewanderte dauerhaft abgesichert – nicht gekürzt werden.

Migration ist kein Problemthema, sondern Teil der Lösung. Wer möchte, dass auch geflüchtete Menschen schnell arbeiten, sich einbringen und Verantwortung übernehmen, muss Integration erleichtern und nicht erschweren. Wer Menschen früh Chancen eröffnet, stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und sichert die Zukunft Sachsen-Anhalts.

*Zahlen und Fakten:
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte Stand Oktober 2025 in Sachsen-Anhalt: 796.100.
Zahlen neuer Abschlussbericht zum Landesintegrationskonzept (06/ 2026)

  • 11,2 Prozent Menschen mit Migrationsanteil in Sachsen-Anhalt (bundesweit: 30,4 Prozent) = 194.840 Menschen, davon sind 46 Prozent Schutzsuchende
  • 17.822 ausländische sozialversicherungspflichtig Beschäftigte = 9 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. 3.935 ausländische Azubis von 35.000 insgesamt.
  • Knapp 37 Prozent der Migrant*innen in Sachsen-Anhalt sind ehrenamtlich aktiv (bei Menschen ohne Migrationserfahrung 30,9 Prozent)
  • Menschen mit Migrationsgeschichte deutlich jünger als die Bevölkerung ohne Migrationsgeschichte: Anteil der über 65-Jährigen liegt bei Zugewanderten bei 8,9 Prozent gegenüber knapp 30 Prozent in der Bevölkerung ohne Migrationsgeschichte

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