Protestaktion: Ohne Frauen steht alles still

, Magdeburg

In Magdeburg wird es am 9. März um 13 Uhr die Kundgebung „Ohne Uns!“ geben. Auf dem Willy-Brandt-Platz werden u. a. die Gleichstellungsbeauftragte des Landes, Vertreter*innen der Gewerkschaften, das Töchterkollektiv und der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt e.V. mit Redebeiträgen auf eine grundsätzliche Problematik aufmerksam machen: Der Weg zu echter Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist weiter lang.

Genug ist genug. Es reicht. Es braucht ein Zeichen. Unter dem Slogan „ENOUGH! GENUG! BASTA!“ rufen Aktivistinnen am 9. März zu einer globalen Protestaktion auf. Der Aktionstag soll den Internationalen Frauentag am 8. März um einen Tag verlängern. In Magdeburg wird es am 9. März um 13 Uhr die Kundgebung „Ohne Uns!“ geben. Auf dem Bahnhofsvorplatz (Willy-Brandt-Platz) werden unter anderem die Gleichstellungsbeauftragte des Landes, Vertreter*innen der Gewerkschaften, das Töchterkollektiv und der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt e.V. mit Redebeiträgen auf eine grundsätzliche Problematik aufmerksam machen: Der Weg zu echter Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist weiter lang.

Der AWO Landesverband Sachsen-Anhalt steht an der Seite der Organisator*innen. „Wir unterstützen die Kernforderungen der globalen Protestaktion. Als feministische parteiliche Beratungsstelle beraten und begleiten wir seit 26 Jahren Betroffene von patriarchaler Gewalt, Sexismus und Rassismus und müssen erleben, wie Mädchen* und Frauen* strukturelle Diskriminierung und Benachteiligung erfahren“, sagt Yvonne Joachim, Leiterin der AWO-Beratungsstellen und Referentin für Frauenschutz beim AWO Landesverband Sachsen-Anhalt. „Deshalb: Enough is enough! Wir streiten weiter an der Seite der Mädchen* und Frauen* für ein Ende patriarchaler Gewalt.“

Die AWO solidarisiert sich ausdrücklich mit den Forderungen der Protestaktion.

  1. Für Sicherheit und ein Ende patriarchaler Gewalt.
  2. Für umfassenden flächendeckenden Schutz vor Gewalt, Rassismus und Sexismus sowie ein gewaltfreies selbstbestimmtes Leben frei von Benachteiligung und Diskriminierung.
  3. Für wirtschaftliche Gerechtigkeit.
  4. Für gleichen Lohn für gleiche Arbeit und die Anerkennung geleisteter Sorgearbeit.
  5. Für die Stärkung von Care-Strukturen.
  6. Für Entlastung bei der Sorgearbeit und bessere Bedingungen in sozialen Berufen.
  7. Für soziale Gerechtigkeit und Teilhabe.
  8. Für die Bekämpfung von Armut und die Forderung nach gleichen Chancen in der Gesellschaft, unabhängig von Herkunft, Behinderung oder Geschlecht.
  9. Für einen politischen Wandel.
  10. Für ein kraftvolles Zeichen gegen den gesellschaftlichen Rechtsruck und für den Schutz von Frauenrechten.

Zahlen vom Statistischen Bundesamt sind alarmierend. In ostdeutschen Bundesländern leisteten Frauen im Jahr 2022 durchschnittlich fast 30 Stunden unbezahlte Arbeit pro Woche. Pro Tag waren es über vier Stunden, eine Stunde mehr als Männer. Auf ganz Deutschland bezogen leisteten Frauen pro Woche neun Stunden mehr unbezahlte Arbeit als Männer.

 

In Deutschland verdienten Männer 2025 laut einer aktuellen Studie vom Statistischem Bundesamt im Schnitt 27,05 Euro brutto pro Stunde, Frauen 22,81 Euro. Der unbereinigte sogenannte Gender-Pay-Gap liegt bei 16 Prozent. 2015 lag er sogar noch bei 22 Prozent. Auch der bereinigte Gehaltsunterschied (strukturelle Unterschiede wurden berücksichtigt) liegt noch bei 2,53 Euro, die Männer pro Stunde mehr verdienen.

Berufe und Branchen, in denen mehr Frauen arbeiten, werden durchschnittlich schlechter bezahlt. Aufgrund von unbezahlter Sorgearbeit haben Frauen meistens einen geringeren Beschäftigungsumfang. Frauen bekommen weniger Geld pro Stunde, was auf strukturelle Probleme und Frauendiskriminierung zurückzuführen ist.

Traditionelle Rollenverteilungen sind noch immer tief verankert: Während der Mann für den Familienunterhalt sorgt, kümmern sich Frauen um die unbezahlte Sorgearbeit bei Kindererziehung und Haushalt. Finanzielle und emotionale Abhängigkeiten und drohende Altersarmut sind nur wenige Beispiele von vielen möglichen einschneidenden Folgen für Frauen.

Was passiert, wenn Frauen sich einen Tag freinehmen, zeigte der isländische Frauenstreik am 24. Oktober 1975. Es war ein historischer Wendepunkt, bei dem 90 Prozent der isländischen Frauen ihre Arbeit niederlegten, um gegen Lohnungleichheit und mangelnde Anerkennung zu protestieren.

Die gesellschaftlichen Folgen waren drastisch. Der Telefondienst kam praktisch zum Erliegen. Tageszeitungen erschienen nur verkürzt oder gar nicht. Die meisten Restaurants, Läden, Theater, Kinos und Schulen sowie Kindergärten konnten nicht öffnen. Die isländische Fluggesellschaft musste ihre Flüge streichen, Banken arbeiteten im Notbetrieb und Haushalt und Kinder wurden den Männern übergeben. Für Väter und Ehemänner wurde der 24. Oktober 1975 zum „langen Freitag“ da sie mit bisher unbekannten Herausforderungen konfrontiert wurden.

Nicht nur am 24. Oktober 1975 und nicht nur am 9. März 2026, sondern an jedem anderen Tag gilt: „Ohne uns steht alles still!“

  

Über die AWO Sachsen-Anhalt

Der AWO Landesverband Sachsen-Anhalt e. V. ist ein unabhängiger und anerkannter Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege. Mit rund 3.200 Mitgliedern, über 5.000 hauptamtlich Beschäftigten und ca. 3.500 Ehrenamtlichen setzt sich die AWO in Sachsen-Anhalt für Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit ein.

Als Mitgliederverband, Sozialdienstleister und sozialpolitische Interessenvertretung betreibt die AWO rund 500 Einrichtungen und Dienste, darunter Kliniken, Pflegeheime, Kindertagesstätten, Horte und Jugendeinrichtungen. Vielfältige Beratungsangebote unterstützen Menschen in schwierigen Lebenslagen, beispielsweise bei Sucht, finanziellen Engpässen oder familiären Herausforderungen.

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