Zum Kindertag: Kita-Vielfalt ist gelebte Demokratie – warum sie jetzt geschützt werden muss

, Magdeburg

Am 1. Juni ist Kindertag. Er erinnert uns daran, was Kinder für ein gutes Aufwachsen brauchen: Verlässlichkeit, Qualität – und vor allem Vielfalt. Doch genau diese Vielfalt steht in Sachsen-Anhalt unter Druck.

Die Zahlen sind eindeutig: 2025 wurden im Land rund 2.700 Kinder weniger in Kitas betreut als im Jahr zuvor. Die Geburtenzahlen sind auf einem historischen Tiefstand. Gleichzeitig ist die Kita-Landschaft bereits heute strukturell einseitig geprägt – mehr als die Hälfte der Einrichtungen ist kommunal organisiert.

Mit 55 Prozent öffentlicher Trägerschaft* weist Sachsen‑Anhalt damit bundesweit* bei Kitas den höchsten Wert auf. Aktuelle Entscheidungen wie in Merseburg, freie Träger durch kommunale Eigenbetriebe zu ersetzen, verstärken diese ohnehin schon kritische Situation. Wenn Kommunen Trägerschaften an sich ziehen, wird das gesetzlich geschützte Prinzip der Trägervielfalt und das Wunsch- und Wahlrecht der Eltern, so wie im Kinder- und Jugendhilfegesetz verankert, ausgehöhlt. Aus lokalen Strukturentscheidungen kann ein grundlegender Systemumbau werden – hin zu staatlicher Dominanz und weniger Vielfalt. Damit geraten zentrale Werte unter Druck:

  • unterschiedliche pädagogische Ansätze
  • echte Wahlmöglichkeiten für Familien
  • zivilgesellschaftliches Engagement vor Ort.

Die Verfassung des Landes Sachsen-Anhalt schützt diese Vielfalt als Lehre aus der Geschichte bewusst. Sie folgt dem Subsidiaritätsprinzip: Was freie Träger – Vereine, Kirchen, Elterninitiativen - leisten können, soll nicht vom Staat ersetzt, sondern geschützt und unterstützt werden.

„Gerade jetzt gilt: Weniger Kinder dürfen nicht weniger Vielfalt bedeuten. In einer Phase, in der demokratische Grundwerte unter Druck sind, braucht es gemeinsame Lösungen und einen gemeinsamen Prozess mit Kommunen, Land, Trägern und Eltern. Kinder brauchen verlässliche Orte. Familien brauchen Auswahl. Und unsere Demokratie braucht Vielfalt“, erklärt Steffi Schünemann, Vorständin Verband und Sozialpolitik im AWO Landesverband Sachsen-Anhalt.

 Gerade am Kindertag gilt:
Kinder brauchen mehr als Betreuung – sie brauchen eine vielfältige Umgebung mit gesicherten Rahmenbedingungen. Wer Trägervielfalt schwächt, schwächt am Ende die demokratische Substanz unseres Systems von Anfang an.

Die AWO in Sachsen-Anhalt fordert deshalb einen gemeinsamen Prozess zwischen Land, Kommunen, Trägern, Eltern zur Erarbeitung eines „Kita-Zukunftsplanes“, der

  • gemeinsame Zielsetzungen formuliert
  • Trägervielfalt und damit echte Wahlfreiheit für Familien aktiv sichert
  • langfristige Planungssicherheit schafft und einen Rahmen für
  • transparente Kriterien festlegt, nach denen Veränderungen entschieden werden.

Quellen:

Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt: Statistischer Bericht zur Kinder- und Jugendhilfe unter Seite 6 auf statistik.sachsen-anhalt.de

Ländermonitor „Frühkindliche Bildungssysteme“ unter https://www.laendermonitor.de/de/vergleich-bundeslaender-daten/personal-und-einrichtungen/traeger/kitas-nach-traeger-1

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