Welche Rolle spielen Wohlfahrtsverbände aus Ihrer Sicht im Hinblick auf die Daseinsvorsorge, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt?
Wohlfahrtsverbände wie die AWO sind für unser Land unverzichtbar. Sie sind jeden Tag für die Menschen da – in Kitas, in der Pflege, in Beratungsstellen oder bei sozialen Projekten. Gleichzeitig sind sie ein wichtiger Arbeitgeber und bilden Fachkräfte aus. Sie stärken damit nicht nur den Zusammenhalt, sondern auch unseren Wirtschaftsstandort.
Ich möchte, dass die Menschen in Sachsen-Anhalt sicher sein können: Wenn sie Unterstützung brauchen, ist jemand da. Genau dafür sorgen die Wohlfahrtsverbände.
Wenn Kitas, Pflege, Beratung oder soziale Hilfen nicht verlässlich funktionieren, geraten viele Menschen unter Druck. Welche Bedeutung hat eine stabile soziale Infrastruktur für Vertrauen in Demokratie und Gesellschaft?
Vertrauen entsteht nicht durch große Reden. Vertrauen entsteht im Alltag. Wenn Eltern wissen, dass ihr Kind gut betreut wird. Wenn ältere Menschen Unterstützung bekommen. Wenn Familien Hilfe finden, wenn sie sie brauchen.
Gerade bei uns in Sachsen-Anhalt kümmern sich viele Menschen jeden Tag um Angehörige, Nachbarn oder Freunde. Dieses Engagement verdient Respekt und Unterstützung. Deshalb stärken wir als Landesregierung ganz bewusst Angebote, die Familien entlasten und Menschen helfen, möglichst lange selbstbestimmt in ihrem gewohnten Umfeld zu leben.
Mir ist wichtig, dass die Menschen spüren: Auf unser Land ist Verlass. Niemand soll das Gefühl haben, allein gelassen zu werden. Denn eine starke Demokratie zeigt sich nicht nur bei Wahlen. Sie zeigt sich vor allem dort, wo Menschen füreinander da sind und Unterstützung bekommen, wenn sie sie brauchen.
Wo ziehen Sie die klare Grenze, wenn demokratische Grundwerte infrage gestellt werden?
Die Grenze ist für mich klar: bei Hass, Gewalt, Extremismus und Ausgrenzung. Wir können über politische Fragen streiten. Das gehört zu einer lebendigen Demokratie dazu. Aber wir dürfen niemals Menschen gegeneinander ausspielen oder unsere demokratischen Grundwerte infrage stellen.
Genauso wichtig ist mir ein starker Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Unser Sozialstaat hilft den Menschen, die Unterstützung brauchen. Das ist richtig und wichtig. Gleichzeitig funktioniert Solidarität nur, wenn jeder einzelne auch Verantwortung übernimmt und seinen Beitrag leistet.
Können Kinder in Sachsen-Anhalt gut aufwachsen und ihre Chancen nutzen?
Ja. Und ich arbeite jeden Tag hart daran, dass das auch in Zukunft so bleibt. Mir ist wichtig, dass unsere Kinder und Jugendlichen in unserem Sachsen-Anhalt die besten Chancen haben – unabhängig von ihrer sozialen Herkunft. Wir wissen, dass gerade Kitas, Schulen und die Pflege vor großen Herausforderungen stehen. Deshalb investieren wir gezielt in Fachkräfte und gute Rahmenbedingungen.
Mein Ziel ist, dass junge Menschen in Sachsen-Anhalt gute Perspektiven für Ausbildung, Arbeit und Familie finden und gerne hierbleiben.
Gibt es Arbeit, Pflege, Betreuung und Unterstützung, auf die man sich verlassen kann?
Ja. Und genau dafür arbeiten wir als Landesregierung jeden Tag. Eine besondere Herausforderung ist dabei die demografische Entwicklung. Sachsen-Anhalt gehört zu den ältesten Bundesländern Deutschlands. Deshalb investieren wir in gute Kitas und Schulen, stärken die Ausbildung von Fachkräften und setzen uns dafür ein, dass die Menschen in allen Regionen unseres Landes gute Lebens- und Arbeitsbedingungen vorfinden.
Gerade in der Pflege erlebe ich in vielen Gesprächen die Sorge vor steigenden Kosten. Diese Sorge nehme ich sehr ernst. Viele ältere Menschen haben ihr Leben lang gearbeitet und unser Land mit aufgebaut. Sie müssen sich darauf verlassen können, im Alter würdevoll leben zu können.
Deshalb sage ich ganz klar: Pflege darf nicht arm machen. Familien dürfen nicht finanziell überfordert werden, wenn ein Angehöriger auf Pflege angewiesen ist. Darum brauchen wir dringend eine bundesweite Pflegereform. Dafür setze ich mich ein.
Genauso wichtig ist mir eine verlässliche Rente. Viele Menschen in Sachsen-Anhalt haben ihr Leben lang gearbeitet und sind auf die gesetzliche Rente angewiesen. Deshalb ist es richtig, das Rentenniveau stabil zu halten.
Mir ist wichtig, dass die Menschen in unserem Land sicher sein können: Wer Unterstützung braucht, bekommt Unterstützung. Und wer Verantwortung übernimmt und sein Leben lang arbeitet, soll sich auf einen starken Sozialstaat verlassen können.
Bleibt unser Zusammenleben respektvoll und solidarisch?
Davon bin ich überzeugt. Solidarität ist in Sachsen-Anhalt kein theoretischer Begriff. Sie wird jeden Tag gelebt. Wenn ich durch unser Land fahre, treffe ich überall Menschen, die Verantwortung übernehmen – in ihren Familien, im Ehrenamt, in Vereinen oder in der Nachbarschaft.
Ich denke dabei zum Beispiel an die vielen Angehörigen, die ihre Eltern oder Partner zu Hause pflegen. An die Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren. Oder an die vielen Ehrenamtlichen in unseren Sportvereinen, die gerade im ländlichen Raum unverzichtbar sind. Genau diese Menschen halten unser Land zusammen. Sie zeigen, was Zusammenhalt wirklich bedeutet.
Zusammenhalt entsteht aber nicht von allein. Er braucht Respekt, gegenseitige Rücksichtnahme und die Bereitschaft, füreinander da zu sein. Genau das erlebe ich jeden Tag an vielen Orten in unserem Sachsen-Anhalt. Darauf bin ich stolz.
Wo steht Sachsen-Anhalt heute und was ist Ihre Vision 2030 für unser Land?
Sachsen-Anhalt steht heute auf einem stabilen Fundament. Wir haben starke Unternehmen, engagierte Kommunen und viele Menschen, die Verantwortung übernehmen.
Natürlich stehen wir vor Herausforderungen. Gerade in der Pflege, in der Bildung und in sozialen Berufen brauchen wir mehr Fachkräfte. Der Mangel an Erwerbspersonen bedroht die soziale Infrastruktur – besonders in ländlichen Regionen des Landes. Die Altersstruktur verschärft das Problem: Die geburtenstarken Jahrgänge der heute 40- bis 59-Jährigen gehen ab 2030 schrittweise in den Ruhestand. Es fehlen zunehmend junge Nachwuchskräfte in Kitas, Schulen und Pflegeheimen. Deshalb investieren wir in Ausbildung, moderne Arbeitsbedingungen und starke ländliche Regionen.
Meine Vision für 2030 ist ein Sachsen-Anhalt, in dem die Menschen sicher und gut leben können. Ein Land mit guten Arbeitsplätzen, verlässlicher Betreuung und Unterstützung. Ein Land, in dem ältere Menschen möglichst lange selbstbestimmt leben können und junge Menschen gute Perspektiven für ihre Zukunft haben. Dafür arbeiten wir als Landesregierung jeden Tag.
Eine etwas leichtere Frage zum Schluss: Was hilft Ihnen persönlich, auch nach langen Tagen den Humor nicht zu verlieren?
Ganz ehrlich: die Menschen. Ich bin viel in Sachsen-Anhalt unterwegs und erlebe, wie herzlich, bodenständig und humorvoll die Menschen in unserem Land sind. Das erdet und motiviert mich.
Und natürlich hilft mir meine Familie. Zeit mit den Menschen, die einem wichtig sind, gibt Kraft und sorgt dafür, dass man auch nach langen Tagen die Dinge mit einem Lächeln sehen kann.