Offizielles Plakat der bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung

AWO Landesverband Sachsen-Anhalt zur bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung vom 25.-29.05.

Magdeburg,

Der AWO Landesverband Sachsen-Anhalt e. V. positioniert sich zum Motto der dies­jährigen Aktionswoche „Chancenlose Kinder?“.

 

Jedem Kind ein Recht auf eine sorglose Kindheit

Die Kindheit ist eine Zeit des Entdeckens, der Neugier, des spielerischen Lernens – der Unbekümmertheit. Kinder sollen sich entwickeln können, Freund*innen haben, Urlaube mit der Familie erleben, ein Instrument lernen oder ihre sportlichen Talente entwickeln können. Existenz- und Schuldensorgen sind für Familien und ihre Kinder enorm belastend. Kinder erleben die Anspannung in der Familie, die Folgen von Verzicht und reduzierten Beteiligungsmöglichkeiten tagtäglich neu. Die psychischen Belastungen können das ganze Leben prägen.       

Die Zahl der überschuldeten Haushalte ist in Sachsen-Anhalt besonders hoch. Mit 12,71 % (Quelle: Schuldneratlas Creditreform 11/2019) ist Sachsen-Anhalt leider damit im Bundesvergleich unter den Spitzenreitern. 

„Schuldnerberatungsstellen helfen Familien dabei, aus der Notsituation einen Weg zu finden und den Alltag wieder eigenständig meistern zu können. Darüber hinaus braucht es ganz grundsätzlich bessere Rahmenbedingungen für Kinder und Familien, denn – alle Kinder haben das Recht auf eine von Schuldensorgen unbelastete Kindheit und Jugend! Daher schließen wir uns als AWO Landesverband Sachsen-Anhalt der Position der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AGSBV) an“, so Steffi Schünemann, Vorständin Verband und Soziales. Diese fordert anlässlich der diesjährigen bundesweiten Aktionswoche der Schuldnerberatung:

Offizielles Plakat der bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung

„Grundlegende finanzielle Absicherung von Kindern

Wenn auch das Starke-Familien-Gesetz ein Anfang ist, fehlt es an einer konsistenten Gesamtstrategie. Finanzielle Hilfen und Regelungen müssen transparent, nachvollziehbar und öffentlich bekannt sein. Der Regelsatz für Kinder muss sich, wie vom Bundesverfassungsgericht in 2010 gefordert, nach den kindlichen Entwicklungsphasen und dem, was für die Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes erforderlich ist, richten. Auch sollte eine explizite Förderung von familienspezifischen Bedarfen zur sozialen Teilhabe erfolgen.

Gleichklang von Sozialrecht und Zwangsvollstreckungsrecht

Patchwork-Familien benötigen Zwangsvollstreckungsrechtlich den gleichen Schutz wie Kern Familien, da sie sich faktisch in ihren wirtschaftlichen Bedürfnissen nicht unterscheiden. Die Partnerkindereinstandspflicht im SGB II ist abzuschaffen. Bis dahin ist die Verpflichtung zum faktischen Unterhalt aufgrund der sozialrechtlichen Einstandspflicht und der gesetzlich geschuldete Unterhalt vollstreckungsrechtlich gleichzusetzen.

Finanzielle Allgemeinbildung von klein auf

In einer auf Konsum ausgerichteten Welt muss der Umgang mit Geld, Handy und Internet gelernt werden. Kinder und Jugendliche brauchen dafür die erforderliche Medien- und Finanzkompetenz. Geeignete Angebote zum Erwerb von Finanzkompetenz sind hier erforderlich, die unabhängig von Anbietern und objektiv das nötige Wissen vermitteln.

Recht auf Schuldnerberatung für alle

Soziale Schuldnerberatung nimmt neben den finanziell-materiellen Aspekten von Überschuldung eine ganzheitliche Perspektive auf die Lebenslage Überschuldung ein. In der Beratung wird oft deutlich, dass auch Kinder negativ von der Überschuldungssituation betroffen sind. Um Kinder von Schuldner*innen gezielt unterstützen zu können und um zu vermeiden, dass diese unter der Überschuldung ihrer Eltern leiden, braucht es einen Rechtsanspruch auf Schuldnerberatung für alle Hilfesuchenden im SGB XII.

Schuldenfrei in die Volljährigkeit

Schuldenfreiheit soll nicht erst mit Eintritt in die Volljährigkeit -unter Berufung auf §1629a BGB- erreicht werden, sondern eine Verschuldung im Sozialrecht durch Rückforderungsbescheide gegen Minderjährige gar nicht erst möglich sein.“

Kindergrundsicherung Jetzt

Darüber hinaus setzt sich der AWO Landesverband für die Einführung einer Kindergrundsicherung ein. Ein gesundes Aufwachsen aller Kinder, dass neben der materiellen Absicherung auch altersentsprechende Investitionen in die Bildung ermöglicht, ist der Baustein für unsere Gesellschaft und unser Sozialsystem. Das Existenzminimum für Kinder muss aus öffentlichen Geldern finanziert werden. Der Flickenteppich aus Kindergeld, Kinderfreibeträgen und Kinderzuschlag sowie Hartz-IV-Regelsätzen muss durch eine einkommensabhängige Kindergrundsicherung ersetzt werden, die sich am tatsächlichen finanziellen Bedarf von Familien orientiert.

AWO Positionspapier zur Aktionswoche Schuldnerberatung

Positionspapier Aktionswoche Schuldnerberatung.pdf (130,5 KiB)

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