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AWO zum offenen AfD-Brief an Unternehmen

Magdeburg,

Eine Vielzahl an AWO-Trägern hat in den letzten Tagen den offenen Brief der AfD-Fraktion an alle Unternehmen in Sachsen-Anhalt erhalten. Der AWO Landesverband Sachsen-Anhalt hat sich für eine klare Positionierung entschieden.

 

AWO-Antwort auf den Offenen Brief der AfD-Fraktion an alle Unternehmen im Land vom 19.05.2020

Eine Vielzahl an AWO-Trägern hat in den letzten Tagen den Offenen Brief der AfD-Fraktion an alle Unternehmen im Land erhalten. Zum Umgang mit solchen Briefen kann man unterschiedlicher Auffassung sein. Wir haben uns für eine klare Positionierung entschieden und nach sorgfältiger Abwägung ist unser Standpunkt, dass wir dieses vermeintliche Hilfsangebot der AfD, welche einen sehr großen Verteiler im Land erreicht haben dürfte, nicht widerspruchsfrei stehen lassen wollen.

Hier der AWO-Antwort-Brief vom 26.05.2020 im ungekürztem Wortlaut:

Ihr Hilfsangebot vom 19.05.2020

Sehr geehrter Herr Kirchner, sehr geehrter Herr Siegmund,

wir haben Ihr Schreiben vom 19.05.2020 zur Kenntnis genommen und beginnen unsere Antwort mit einer Definition aus dem DUDEN Wörterbuch:

Verantwortung

Substantiv, feminin [die]

1a. [mit einer bestimmten Aufgabe, einer bestimmten Stellung verbundene] Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass (innerhalb eines bestimmten Rahmens) alles einen möglichst guten Verlauf nimmt, das jeweils Notwendige und Richtige getan wird und möglichst kein Schaden entsteht

1b. Verpflichtung, für etwas Geschehenes einzustehen [und sich zu verantworten].

Sie kritisieren in Bezug auf das Corona Virus zunächst die „Unterschätzung der Risiken durch die Politik“ und dann wiederum „die zu harten Einschnitte durch die Politik“. Schließlich kommen Sie zu dem Schluss, dass trotz der nach Ihrer Auffassung unterschätzten Risiken, die harten Maßnahmen „in keiner Relation zur Gefahr“ durch die Viruskrankheit stehen.

Sie kritisieren weiter falsch gesetzte Prioritäten in Bezug auf illegal eingereiste Personen sowie die Diäten und Rentenansprüche für die Fraktionsspitzen. Sie legen Wert auf eine „leistungsorientierte und zukunftsweisende Politik“.

Die Leistung der AfD sehen Sie darin, uns mit Ihrem Brief Unterstützung zuzusichern, den Druck auf die Landesregierung zu erhöhen und dass Sie fest an unserer Seite stehen.

Zu den Ideen, Vorschlägen und Maßnahmen, die die AfD konkret zur Bewältigung der Corona Krise entwickelt hat, sagen Sie leider nichts.

Welchen Beitrag wir und unsere Mitarbeiter*innen konkret leisten, und zwar mit Unterstützung der Bundes- und Landesregierung, können wir ganz klar ausführen:

Nicht nur während der Corona Krise sorgen soziale Einrichtungen und Dienste in Sachsen-Anhalt dafür, dass Familien und Kinder gebildet und betreut werden, dass alte Menschen gepflegt und entsprechend ihrer Bedürfnisse umsorgt werden oder dass kranke Menschen in Krankenhäusern möglichst schnell wieder gesund werden und am Leben teilhaben können, um nur einige Beispiele zu benennen.

Während der Pandemie waren es in besonderem Maße die Mitarbeitenden der Krankenhäuser, der Pflegeeinrichtungen, der Kitas oder der Beratungsstellen, die die soziale Infrastruktur und damit die Grundpfeiler der Gesundheitsversorgung bzw. Sozialbetreuung der Familien in diesem Land aufrechterhielten. Das war und ist ein solidarischer Akt der Menschen, die seit jeher voller Leidenschaft für andere Menschen da sind und ihre eigenen Bedürfnisse oder Ängste hintenanstellen.

Wir sind dankbar dafür, dass uns durch das konkrete und entschlossene Handeln der Bundes- und Landesregierung Zustände wie in anderen Ländern bzw. Ausbrüche wie in anderen Bundesländern erspart blieben.

Der Grund dafür ist aus unserer festen Überzeugung, dass Bund und Länder ihrer Verantwortung nachgekommen sind und gehandelt haben. Dies geschah in Bezug auf ein Virus, dass weitgehend unerforscht ist und dessen Langzeitwirkung auf den menschlichen Körper und das Gemeinwesen bis heute niemand vorhersagen kann.

Sicher hätten im Nachhinein betrachtet mit dem Wissen von heute, das täglich wächst, die Maßnahmen schneller oder zielgerichteter erfolgen können. Entscheidungen im Nachgang zu kritisieren, ist einfach und simpel. Den Mut zu haben, unter Heranziehung aller zu dem jeweiligen Zeitpunkt vorhandenen Fakten vorausschauende Entscheidungen zur Schadenabwehr zu treffen in dem Wissen, dass sie sich als falsch herausstellen können, nennen wir – Verantwortung.

Die Bundes- und Landesregierung ist ihrer Pflicht nachgekommen und hat diese Verantwortung für die Menschen in unserem Land übernommen – mit dem Ergebnis, dass wir vor katastrophalen Zuständen bewahrt wurden. Sicher trifft uns die Krise sehr hart. Das ist der Preis, mit dem viele Menschenleben, nämlich die unserer Eltern und Großeltern, gerettet wurden! Zu diesem Preis sollten wir stehen und möglichst mit konkreten Maßnahmen die Folgewirkungen – z. B. für die Nachteile bei der Bildung der Schüler*innen oder für die Wirtschaft zügig mildern.

Wir führen seit Beginn der Corona Krise konstant mit den Verantwortlichen im Land bzw. den zuständigen Ministerien einen konstruktiven kritischen Dialog über die anstehenden Maßnahmen und deren Auswirkungen. Die Handlungsleitlinie für uns ist dabei der Schutz der besonders gefährdeten Gruppen.

Ihr Brief zeigt einmal mehr, was die AfD am besten kann – sich aus der Verantwortung stehlen, wenn es darauf ankommt und im Nachgang mit dem Finger auf die zeigen, die den Mut für Verantwortung hatten. Er zeigt, dass Sie die Nöte und Verunsicherung der Menschen in Sachsen-Anhalt nur für Eines nutzen wollen – für Ihre übertriebene Selbstdarstellung und die Entsolidarisierung mit den Schwächsten, hier wieder die „illegal Eingereisten“.

Wir sind froh, in unserem vielfältigen Land zu leben und stolz auf alle, die ihren aktiven Beitrag zur Bewältigung dieser Krise leisten. Allen voran unsere Mitarbeitenden in ihrem täglichen Einsatz am Menschen, egal woher er kommt und welches Schicksal er aus den Umständen heraus, in die er geboren wurde, zu tragen hat.

Unterzeichnet ist der Brief vom gesamten Vorstand

Wolfgang Schuth,Vorsitzender 
Steffi Schünemann, Vorständin Verband & Sozialpolitik 
Sebastian Zimmermann, kaufmännischer Vorstand
Hendrik Hahndorf, d. Vorsitzender

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