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Elternstimmen zum KiFöG werden lauter

Magdeburg,

Unterschriftenaktion in Sachsen-Anhalt ist gestartet. Eltern von Kitas und Horten in Trägerschaft der AWO haben ihre Forderungen zusammen getragen. Wer diese Aktion unterstützen möchte, kann Unterschriften sammeln.

 
Eltern aus Magdeburg und Umgebung stellen ihre Forderungen an ein neues Kifög vor

KiFöG-Unterschriftenaktion ist gestartet und geht bis zum 31. Mai

Eine Mutter aus einer Kita im Salzlandkreis unterzeichnet das Eltern-Forderungspapier
Start der Unterschriftenaktion in Magdeburg am 2. Mai

In den Kitas und Horten des Landes wird heiß diskutiert: die Höhe der Kita-Beiträge, wie viele Stunden am Tag benötigt werden, die von Ort zu Ort unterschiedlichen Bedingungen in Kitas, zu wenig Personal. Die Liste der Forderungen der Eltern ist lang und ihre Sorgen sind groß. Es geht um ihre Kinder. Die Neugestaltung des KiFöG hat direkte Auswirkungen auf Familien.

Die AWO als Träger von 76 Kitas und Horten in Sachsen-Anhalt hat deshalb gemeinsam mit der Landeselternvertretung in den vergangen Wochen vier Regionalkonferenzen als Diskussionsplattform für Eltern organisiert. Im Ergebnis liegen nun vier Eltern-Forderungspapiere vor, für die derzeit die Unterschriftenaktion landesweit startet. Die Forderungspapiere liegen ab dem 2. Mai in den Einrichtungen der AWO aus und stehen allen offen, sie mit ihrer Unterschrift zu bekräftigen. Jeder, der diese Aktion unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen, Unterschriftenlisten auszulegen. Zum Mitmachen aufgefordert werden Kitas und Horte in beliebiger Trägerschaft, Vereine als auch Einzelpersonen wie Eltern in Sachsen-Anhalt. Die Listen können  heruntergeladen werden oder unter Telefon 0391 99977740 angefordert werden.

» Mehr zur Kampagne Meine Stimme für mein Kind

Die Unterschriftenaktion läuft bis zum 31. Mai. Ab Juni ist geplant, die Unterschriftenlisten an Landtagsabgeordnete zu übergeben und mit ihnen zu den Eltern-Positionen ins Gespräch zu kommen. „Pünktlich zum Start der Novellierung wollen wir die Eltern-Forderungen mit den Unterschriften den politisch Verantwortlichen im Land überreichen. Weitere Gespräche werden folgen.“ so Steffi Schünemann, Leiterin Verband und Sozialpolitik des AWO Landesverbandes Sachsen-Anhalt e. V.

In diesen Regionen haben sich Eltern aus AWO-Einrichtungen zu Elternkonferenzen getroffen und ein Forderungspapier verfasst:

  • Magdeburg, Börde, Salzlandkreis
  • Halle, Saalekreis, Anhalt-Bitterfeld
  • Harz, Mansfeld-Südharz
  • Wittenberg

Auftakt macht die Region Magdeburg-Salzlandkreis-Bördekreis

Eltern der Regionakonferenz Magdeburg, Bördekreis und Salzlandkreis
Elternkonferenz in Mageburg am 20. März

Am 2. Mai ist in der AWO Kita Buckauer Spatzen die Unterschriftenaktion der Eltern für die Region Magdeburg, Landkreis Börde und Salzlandkreis gestartet worden. „Wir arbeiten täglich mit den Eltern zusammen, unsere Erzieherinnen und Erzieher sind ständig mit ihnen im Gespräch. Wir kennen die Sorgen und auch die Hoffnungen der Eltern. Uns war es wichtig, die Eltern mit- und untereinander zu vernetzen und ihnen eine Möglichkeit zu schaffen, in der Neugestaltung des KiFöGs stärker wahrgenommen zu werden. Die riesige Resonanz zeigt uns, dass der Redebedarf groß ist und die Eltern sich unbedingt einbringen wollen. Schließlich geht es um ihre Kinder.“ erklärt Steffi Schünemann, Leiterin Verband und Sozialpolitik des AWO Landesverbandes Sachsen-Anhalt.

Tatkräftig unterstützt und begleitet wird die AWO durch die Landeselternvertretung für Kitas in Sachsen-Anhalt, die an allen Elternkonferenzen aktiv beteiligt war und dafür wirbt, dass möglichst viele Eltern die Forderungen unterzeichnen, egal in welcher Kita welchen Trägers das Kind betreut wird.

„Die Eltern haben sich intensiv mit dem Kinderförderungsgesetz beschäftigt und kamen mit klaren Vorstellungen zu den Regionalkonferenzen. Die Kernforderungen haben sich schnell gefunden: qualifizierte Erzieher, mehr Erzieher, genügend Kita- und Hortplätze, die für die Eltern auch bezahlbar bleiben bzw. mittelfristig kostenfrei sein müssen.“ fasst Andrea Zander, Geschäftsführerin des AWO Kreisverbandes Magdeburg und der KITAWO gGmbH, die Stimmung in der Regionalkonferenz für die Region Magdeburg, Börde und Salzlandkreis zusammen.

Ines Grimm-Hübner, Geschäftsführerin des AWO Kreisverbandes Salzlandkreis, ergänzt: „Die Diskussionen zur Novellierung des KiFöG mit den Eltern halte ich für einen wichtigen Prozess in der Kommunikation zwischen Politik, Trägern und Eltern, insbesondere in Zusammenhang mit der Erhöhung der Elternbeiträge in Schönebeck, die im Moment anstehen. Diese geplanten Erhöhungen werden durch alle Elternvertretungen unserer Einrichtungen abgelehnt, genau wie wir als Träger das tun.“

Die Forderungen der Eltern im Einzelnen

Eltern und Vertreter der AWO übergeben ihr Forderungspapier an die Öffentlichkeit

Gleiches Recht auf Bildung für unsere Kinder (Elternstimme aus dem Salzlandkreis)

„Kitas und Horte sind für uns Eltern ganz klar ein Ort der Bildung. Deshalb muss der Ganztagsanspruch mit bis zu 10 Stunden für alle Kinder beibehalten werden. Alles andere wäre ein Rückschritt. Wir wollen keine 2-Klassen-Diskussion.

Unsere Kinder haben einen Rechtsanspruch – trotzdem sind Kita-Plätze vielerorts Mangelware. Viele Eltern stehen dem hilflos gegenüber, wir brauchen Unterstützung dabei, den Anspruch für unsere Kinder auch tatsächlich durchsetzen zu können. Wir wollen als Familie selbst entscheiden, in welche Einrichtung mit welcher Ausrichtung unser Kind geht. Sorge machen uns die Elternbeiträge, die unterschiedlicher im Land nicht sein können. Vielerorts kommen dann noch versteckte Kosten, wie „Servicepauschalen“ im Zusammenhang mit der Verpflegung dazu. Wir fordern, dass zunächst einmal eine Begrenzung des Elternbeitrages für das 1. Kind in der Krippe erfolgt (Kita und Hortbeiträge für das 1. Kind entsprechend niedriger). Das 2. Kind sollte beitragsfrei sein. Auf lange Sicht sollte Bildung für alle Kinder in Kita und Hort beitragsfrei sein! Eltern müssen planen können. Derzeit wissen wir nicht, was eigentlich auf uns zukommt.“ erläutert Jennifer Tannenberg aus Schönebeck.

Die Bedingungen in Sachsen-Anhalt müssen für alle gleich sein (Elternstimmen aus dem Bördekreis)

„Ich war im Austausch mit den Eltern aus anderen Landkreisen bzw. Städten erstaunt, wie unterschiedlich die Bedingungen für Kitas sind. Unterschiedliche Beiträge oder mancherorts zusätzliche Servicepauschalen bzw. unterschiedliche Verfahren bei der Platzsuche und –anmeldung sind dafür Beispiele. Vielerorts fehlen Plätze. Bei der Entwicklung der Städte und Gemeinden muss doch die soziale Infrastruktur mit ausreichenden Kitas und Horten in den Blick genommen werden. Wir erwarten, dass die Landkreise federführend in Zusammenarbeit mit den Gemeinden den Platzbedarf langfristig planen, so wie es das Gesetz auch vorsieht. Kinder sind für die Zukunft des Landes wichtig und eine gute soziale Infrastruktur für Familien ist dafür Voraussetzung. Eltern müssen im Land einheitlich gute Lebensbedingungen erwarten können.“ so Johannes Kluck und Alexander List, Familienväter aus Niederndodeleben.

Gut ausgebildete und motivierte Erzieher*innen in Kita und Hort (Elternstimmen aus Magdeburg)

„Als Mutter will ich guten Gewissens mein Kind in die Obhut der Kita bzw. Hort geben können. Ich erwarte motivierte, gut ausgebildete Erzieher, die sich ausreichend Zeit für mein Kind nehmen können und uns als Familie in Sachen Bildung der Kinder begleiten. Wir Eltern nehmen aber wahr, dass zu wenig Erzieher vorhanden sind. Irgendwie fehlt immer jemand im Team. In Zeiten von Krankheitswellen wird das noch verstärkt und ist aus unserer Sicht unverantwortbar – sowohl für unsere Kinder als auch für die vorhandenen Erzieher. Hier muss schnell etwas passieren. Die Personaldecke muss verbessert werden. Um das mit dem vorhandenen Fachkräftemangel hinzubekommen, muss aus unserer Sicht die Ausbildung attraktiver werden, auch finanziell. Auch der Quereinstieg bei vorhandenen Grundqualifikationen sollte erleichtert werden.“ fassen Katrin Duchrow, Jennifer Fliegenschmidt und Nora Gänge aus Magdeburg zusammen.

Aus Sicht der Landeselternvertretung:

„Ich bin selber Vater von drei Kindern. In meiner Funktion als Landeselternvertreter habe ich die Elternkonferenzen in allen vier Regionen begleitet und war sehr positiv überrascht. Die Diskussionen wurden von den Eltern sehr engagiert, ernst und klar in den Forderungen geführt. Die Forderungen wiederum waren in allen Konferenzen etwa zu 90% die gleichen. Das zeigt, dass das hier vertretene Meinungsbild auch die tatsächlichen Probleme im Land widerspiegelt. Die Eltern sehen Kitas und Hort eben nicht nur als Spiel und Spaß, sondern als wichtigen Bildungsbestandteil für die Entwicklung ihrer Kinder. Das muss endlich anerkannt werden.“ fordert Gordon Schüler.

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