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Grünes Licht für die Pflege - AWO fordert Wandel in der Pflegepolitik

Grünes Licht für die Pflege – AWO fordert Wandel in der Pflegepolitik

Magdeburg,

Grün erleuchtete Fenster und Straßenaktionen: Erfolgreicher Start der landesweiten AWO-Aktionswoche für einen Wandel in der Pflegepolitik. 

 
Ein Banner mit der Aufschrift Schau hin. Pack an! Für soziale Gerechtigkeit. Hängt an einem Zaun

Am Montagabend leuchteten zahlreiche AWO-Einrichtungen in Sachsen-Anhalt grün. Es wurden grüne Lichter in die Fenster installiert. Damit sollte symbolisch „grünes Licht“ für eine echte Wende in der Pflegepolitik gefordert werden. „Die sich zuspitzenden Probleme in der Pflege, wie die zunehmende Zahl an pflegebedürftigen Menschen und die schwindende Zahl an Pflegekräften erfordern große Reformschritte. Eine echte Pflegereform muss sich daran messen lassen, welche Verbesserungen sie für die pflegebedürftigen Menschen als auch für die pflegenden Menschen Zuhause, in den ambulanten Pflegediensten und Pflegeeinrichtungen bringt“ stellt Barbara Höckmann, Vorsitzende des Präsidiums des AWO Landesverbandes Sachsen-Anhalt e.V., fest. „Den Versprechungen der Politik, pflegebedürftigen Menschen den Gang zum Sozialamt durch eine wirksame und verlässliche Deckelung des Eigenanteils zu ersparen, müssen endlich Taten folgen“. Landesweit beteiligten sich über 40 AWO Einrichtungen an der Lichteraktion

Am 11. Mai fanden in sieben Städten auf öffentlichen Plätzen nahe von AWO-Einrichtungen Straßenaktionen statt, beispielsweise in Magdeburg und Barby. „Auf den überdimensionalen Würfeln bringen wir die aus AWO-Sicht dringlichsten Themen auf den Punkt“, erläutert Höckmann. „Dazu gehören die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte sowie ein einheitlicher Tarifvertrag für die Mitarbeitenden in der Pflege, die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Deckelung der Eigenanteile in der Pflege, Bürokratieabbau, eine Bürgerversicherung für alle Erwerbstätigen, mehr Absicherung für die Sorgearbeit pflegender Angehöriger, bezahlbarer altersgerechter Wohnraum und neue Versorgungskonzepte, die ein eigenständiges Leben zu Hause absichern.“

Die ganze Woche widmet sich die AWO in Sachsen-Anhalt dem Thema „Gute Versorgung in jeder Lebenslage“, unter anderem auch mit Straßenaktionen und Social-Media-Statements „Der Mensch im Mittelpunkt - ich wünsche mir...“ Die Pflege-Themenwoche wenige Wochen vor der Landtagswahl ist eine Aktion der AWO in Sachsen-Anhalt als Teil der Kampagne „Schau hin. Pack an! Für soziale Gerechtigkeit“. Mit der Kampagne will die AWO entscheidende soziale Fragen für die Menschen in Sachsen-Anhalt in den Mittelpunkt rücken.


Weitere Informationen
www.schauhinpackan.de
#schauhinpackan

 

Hintergrundinformationen

Um die Eigenanteile in der stationären Pflege zu begrenzen, sieht der Vorschlag des Bundesgesundheitsministeriums vom dritten Mai zu Änderungsanträgen zum Entwurf eines Gesetzes zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (GVWG) ein Stufenmodell vor. Im ersten Jahr im Pflegeheim sollen die Pflegebedürftigen weiter den vollen Eigenanteil selbst tragen, im zweiten Jahr 75 Prozent, im dritten Jahr 50 Prozent und ab dem vierten Jahr 25 Prozent. Die durchschnittliche Verweildauer im Pflegeheim liegt je nach Statistik zwischen anderthalb und zwei Jahren. Das bedeutet, dass die Pflegebedürftigen weiterhin zunächst selbst, später die für sie einstehenden Sozialhilfeträger den Eigenanteil tragen müssen. Das heißt weiterhin, dass sich auch künftig höhere Personalkosten deutlich zum Nachteil der pflegebedürftigen Bewohnenden der Seniorenzentren auswirken werden. Dieser Teufelskreis muss endlich beendet werden.

Im Vorschlag des Bundesgesundheitsministeriums ist auch ein weiterer Umsetzungsschritt für die Einführung des Personalbemessungsverfahrens in der stationären Pflege vorgesehen. Danach sollen im Jahr 2023 weitere zusätzliche Fach-und Hilfskraftstellen in Pflegeeinrichtungen geschaffen und finanziert werden. Nur mit einer nachhaltigen Verbesserung der Arbeitsbedingungen kann der Pflegeberuf wieder an Attraktivität gewinnen und die anstehenden Herausforderungen bewältigt werden. Die Einführung des bundeseinheitlichen Personalbemessungsverfahrens ist zu begrüßen. Das sorgt nicht nur für die längst überfällige Entlastung des noch vorhandenen Personals und dessen Gesunderhaltung, sondern v.a. auch für eine individuellere und auch ganzheitlichere Pflege, die die sozialen, körperlichen und seelischen Bedürfnisse der Menschen endlich wieder in den Mittelpunkt stellt. Zudem würde es auch Pflegekräfte, die aus dem Beruf ausgestiegen sind, zur Rückkehr bewegen. Die Mehrausgaben für mehr Personal dürfen allerdings nicht, wie oben schon gesagt, zu Lasten der pflegebedürftigen Menschen gehen. Deshalb ist der Eigenanteil, der von den pflegebedürftigen Menschen zu zahlen ist, wirksam und verlässlich zu begrenzen

 

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