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31 Jahre Mauerfall in Hötensleben: Grenzgänger*innen auf drei Rädern

31 Jahre Mauerfall in Hötensleben: Grenzgänger*innen auf drei Rädern

Hötensleben,

Am 19.11.1989 fiel die Mauer zwischen Hötensleben und Schöningen. Ruben Herm war im Rahmen der Aktion Radeln mit Herz per Rikscha mit zwei Senior*innen unter­wegs auf den Spuren der Vergangenheit und berichtet.

 

Es ist grau, die Luftfeuchtigkeit erreicht einen Gehalt kurz vor Nebel und es sieht nicht nach einem sonnigen Tag aus. Trotzdem ist es ein schöner historischer Tag – und die kann man sich bekanntlich weder kalendarisch, noch wettertechnisch aussuchen. Heute ist der 19. November 2020 und vor exakt 31 Jahren fiel die Mauer. Natürlich nicht die, an die alle denken. Sondern die zwischen Hötensleben und Schöningen. Zwei Grenzorte, einer in Niedersachsen, der andere im damaligen Bezirk Magdeburg. Diesen Tag nutzten damals viele Menschen aus beiden Orten um zu sehen, wie es denn wohl auf der anderen Seite aussieht.

Anlässlich dieses Tages ermöglicht es die AWO AG MeGa Hötensleben zwei Senior*innen, nochmals diesen Weg auf drei Rädern und etwas komfortabler als zu Fuß zu erleben. Renate, damals 63 Jahre alt und Ruben, damals 5 Jahre jung sind die drei Kilometer damals bei ähnlichem Wetter nach Schöningen gegangen. Bärbel, damals 50 Jahre alt, ging von Schöningen an die innerdeutsche Grenze, um die Menschen auf der anderen Seite der Mauer zu begrüßen und an diesem historischen Treiben teilzuhaben. Sowohl Bärbel als auch Renate sind heute leider nicht mehr in der Lage, diese Strecke zu Fuß zu bewältigen. Bärbel ist mittlerweile Wahl-Hötensleberin und lebt im Pflegeheim und Renate wird zu Hause gepflegt. Sie werden von Ruben mit der AWO Rikscha an Zielorte dieses 19.11.1989 gebracht und können selber von ihren damaligen Eindrücken dieses historischen Tages erzählen. Für beide Passagierinnen ist es ein großartiges Erlebnis und sie genießen den Ausflug.

Beide erinnern sich, dass das Wetter wie damals ist – eben November! Bärbel entdeckt Orte ihrer Jugend: ihre ehemalige Ausbildungsstätte in der Fleischerei, ihr altes Wohnhaus, in dem heute ihr Enkel wohnt und sieht sogar noch ihre Enkelin und ihren Urenkel in der Innenstadt. Auch ihre ehemalige Nachbarin Frau Krüger winkt von der Straße. Renate erinnert sich an viele bunte Geschäfte in der Innenstadt, einige sind heute noch da und überhaupt, hätte sich seit ihrem letzten Besuch vor fünf Jahren gar nicht so viel verändert. Sie bemerkt aber die aufmerksamen Blicke der Passant*innen. „Fast wie damals, da haben uns auch alle angeguckt. Jeder erkannte an der Kleidung, woher man kam und wenn wir mit dem Trabi unterwegs waren sowieso.“ Auch jetzt ist das Fortbewegungsmittel ungewöhnlich und zieht die Blicke auf sich. Es ist auf alle Fälle ein Erlebnis, Schöningen wiederzusehen – und zwar für beide.

Die Erinnerungen sind aufgefrischt, Lebensgeschichten erzählt und beide können es kaum erwarten, den Menschen in ihrem Umfeld davon zu erzählen.

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