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Lebendige Bibliothek: Biographische Erfahrungen vom Krieg damals und heute

Lebendige Bibliothek

Magdeburg,

Zeitzeug*innen, die zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Orten Krieg, Zerstörung, Flucht und Vertreibung erfahren haben: Mit Menschen als "lebendige Bücher" probierte die AWO ein neues Veranstaltungsformat des Dialogs aus.

 

AWO im Gespräch mit Zeitzeugen in der Magdeburger Stadtbibliothek

Lebendige Bibliothek: Biographische Erfahrungen vom Krieg damals und heute

Drei Zeitzeugen, die zu ganz unterschiedlichen Zeiten und an verschiedenen Orten Krieg und Zerstörung, Flucht und Vertreibung erfahren haben, waren am Mittwoch, 22. Januar, unter der Überschrift "Lebendige Bibliothek: Biographische Erfahrungen vom Krieg - damals und heute" in der Magdeburger Stadtbibliothek im Gespräch zu erleben. Die gemeinsame Erinnerung und der Austausch darüber wurden von dem namhaften Historiker Wolfgang Benz begleitet, der sich des Themas auf Einladung des AWO Landesverbandes Sachsen-Anhalt annahm.

Lebendige Bibliothek: Biographische Erfahrungen vom Krieg damals und heute

Nach einer kurzen Einführung begaben sich die Zeitzeugen in separaten Runden in das Gespräch mit dem Publikum, wobei die Besucher*innen Gelegenheit bekamen, mit jedem von ihnen im Laufe der Veranstaltung zu sprechen. Erinnert haben sich der Magdeburger Günther Weißberg, der von der Elfenbeinküste stammende Magdeburger Sozialarbeiter Amidou Traore sowie der Syrer Rami Dahbour, der 2015 aus Damaskus nach Magdeburg floh.

Die Wege der drei Zeitzeugen spiegeln drei unterschiedliche Konflikte, die in ihren Folgen Gemeinsamkeiten aufweisen: Günter Weißberg erlebte als 14-jähriger Jugendlicher die Zerstörung seiner Heimatstadt aus der Luft am Ende des Zweiten Weltkrieges erlebte. Zuvor als Schüler evakuiert, kehrte er zwei Tage nach dem Flächenbombardement am 16. Januar nach Magdeburg zurück. Amidou Traore flüchtete vor dem Krieg in seinem Heimatland. Sein Weg nach Deutschland, das ihm als eine von Grund auf andere Welt erscheint, war lang, gefährlich und mitunter tödlich. Rami Dahbour floh 2015 zusammen mit seiner Schwester, seinem Schwager und weiteren Freunden aus der syrischen Metropole Damaskus. Sein Vater riet ihm, nach Ostdeutschland zu fliehen, da er selbst in den 1970er Jahren in Ost-Berlin gelebt hatte. Doch für Rami Dahbour ist es zunächst nicht leicht, Kontakt zu finden. Heute arbeitet er als Projektmitarbeiter bei der AWO und hat auf diesem Wege Menschen kennengelernt und Freundschaften geschlossen.

 

AWO-Vorstand Wolfgang Schuth: Besser als jedes Voruteil ist Begegnung

"Besser als jedes Vorurteil ist Begegnung. Starke Geschichten ermöglichen eine lebendige Erinnerungskultur", sagte AWO Vorstand Wolfgang Schuth. "Wir hoffen, dass diese persönlichen und ergreifenden Geschichten, vermittelt im Dialog und durch Zuhören, einen sensiblen Umgang mit Themen wie „Krieg“ und „Flucht“ ermöglichen und so zum Abbau von Vorurteilen beitragen können."

 

Zeitzeugen

Lebendige Bibliothek - Biographische Erfahrungen vom Krieg damals und heute - AWO im Gespräch mit Zeitzeug*innen in der Magdeburger Stadtbibliothek

Günther Weißberg

Herr Weißberg erlebte die Bombardierung Magdeburg als 14 jähriger Jugendlicher. Bereits 1944 wurde er nach Ilberstedt (35 km Luftlinie von Magdeburg entfernt) evakuiert, um auf „seinen Einsatz“ vorbereitet zu werden. Zwei Tage nach der Bombardierung kam er mit seiner Klasse in das zerstörte Magdeburg. Er ging an die Stelle in der Gerhart-Hauptmann-Straße, wo sein Haus einst stand. Dies war komplett zerstört. Heute mit 89 Jahren lässt er uns an seinen Erinnerungen teilhaben, wie er den Bombenangriff aus der „Ferne“ erlebte und was er empfand.

 

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Amidou Traore

Herr Traore wurde am 23.01.1967 in Ferke geboren. Er kommt von der Elfenbeinküste. Er kam nach Deutschland als Flüchtling. Tatsächlich hat er sein Land 1994 wegen der politischen Situation verlassen. Sein Asylantrag wurde abgelehnt. Der Weg nach Deutschland ist lang, gefährlich und mitunter tödlich. Es ist wie der Eintritt in eine andere Welt. Seit September 1999 arbeitet Herr Traore beim Caritasverband für das Bistum Magdeburg e.V. als  Sozialarbeiter.

 

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Rami Dahbour

Herr Dahbour kommt aus der wunderschönen syrischen Stadt Damaskus und floh 2015 zusammen mit seiner Schwester, seinem Schwager und weiteren freunden nach Deutschland. Seine Flucht brachte ihn zunächst in die Zentrale Aufnahmestelle Halberstadt und dann nach Magdeburg. Sein Vater gab ihm mit auf den Weg, nach Ostdeutschland zu fliehen. Er selbst war in Berlin in den 70er Jahren und war begeistert. Herr Dahbour besuchte einen Deutschkurs, um besser mit den Bewohner*innen Magdeburgs in Kontakt zu kommen. Dem war leider nicht so. Erst durch den Einsatz als Bundesfreiwilligendienstler beim AWO Landesverband Sachsen-Anhalt und seiner späteren Einstellung als Projektmitarbeiter lernte er die Menschen kennen und schloss Freundschaften.

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