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Pflegeeinrichtungen sind an der Belastungsgrenze

Magdeburg,

Die AWO bezieht Position: Zusätzliche Aufgaben wie die Verpflichtung zur Durchführung der Antigen-Tests sind allein durch das vorhandene Perso­nal nicht leistbar. Ein Abzug der Pfle­gekräfte von den Bewohner­*innen ist schlicht unverantwortlich.

 

In einem Schreiben an die Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt Petra Grimm-Benne und an den Ministerpräsidenten Dr. Reiner Haseloff fordert die AWO in Sachsen-Anhalt zusätzliche Ressourcen für die verpflichtenden Tests in den Pflegeeinrichtungen.

Hier das Schreiben im Wortlaut:

Sehr geehrte Frau Ministerin Grimm-Benne,
sehr geehrter Herr Ministerpräsident Dr. Haseloff,

wir wissen, dass es in diesen Zeiten sowohl auf Bundesebene als auch auf Landesebene nicht einfach ist, Entscheidungen zu treffen. Wir tragen diese Entscheidungen aus voller Überzeugung in unserer Verantwortung als Sozialverbände mit und stehen selbstverständlich an der Seite des Landes.

Die AWO-Verbände betreuen in 30 Pflegeeinrichtungen in Sachsen-Anhalt knapp 2000 Seniorinnen und Senioren, stehen in Kontakt mit deren Angehörigen und versorgen in 16 ambulanten Diensten Pflegebedürftige. Unsere Einrichtungen vor Ort tragen seit Monaten unermüdlich dazu bei, die Corona-Pandemie durch die Umsetzung der Regelungen der Eindämmungsverordnungen zu bewältigen und die Lage in den Griff zu bekommen. Wir begrüßen eine breite Teststrategie, die vor allem die von uns betreuten vulnerablen Gruppen als auch unsere Mitarbeitenden schützt.

Es geht für uns alle um die Bewältigung einer Notlage, auch und vor allem in den kommenden Wochen und Monaten. Wir als Träger sind in der Verpflichtung, die enorme Dauerbelastung unserer Mitarbeitenden aufzufangen und zeigen hiermit an, dass die Belastungsgrenze der Mitarbeitenden in der Pflege erreicht ist.

Für alle zusätzlichen Aufgaben, die pandemiebedingt durch die Einrichtungen zu übernehmen sind, wie die zuletzt eingeführte Testverpflichtung, braucht es deshalb keinen politischen Druck, sondern klar geregelte unterstützende Rahmenbedingungen und öffentliche Wertschätzung für die Pflegemitarbeitenden! Die Tests sind eine absolut sinnvolle Schutzmaßnahme, allerdings muss die Durchführung auch machbar sein.

Zusätzliche Ressourcen für die Testverpflichtung dringend erforderlich

Die Erweiterung der Testverpflichtung der Einrichtungen erfordert, dass hierfür zusätzliches geschultes Personal zur Testdurchführung zur Verfügung steht. Die allzu sorglose Darstellung des Testverfahrens als leicht und schnell zu handhabenden Vorgang, den jedermann kinderleicht vornehmen kann, lehnen wir ab. Hier muss mit der erforderlichen Sorgfalt vorgegangen werden, da ansonsten der Schutzzweck nicht erfüllt wird. Die Einrichtungen der Pflege als auch der Eingliederungshilfe haben durch die Belastungen der Corona-Pandemie zusätzliche Aufgaben zu bewältigen und durch krankheitsbedingte Personalausfälle damit zu kämpfen, den Versorgungsauftrag zu erfüllen.

Zusätzliche Aufgaben wie die Verpflichtung der Einrichtungen zur Durchführung der Antigen-Tests sind allein durch das vorhandene Personal nicht leistbar. Ein Abzug der Pflegekräfte von den Bewohner*innen ist schlicht unverantwortlich. Mit einer weiteren Überforderung unserer Mitarbeiter*innen, die bereits jetzt an ihrer Belastungsgrenze sind, wird die Versorgung auf noch fragilere Füße gestellt und zunehmend gefährdet.

Zusätzlich qualifizierte personelle Unterstützung ist deshalb enorm wichtig, insbesondere vor dem Hintergrund über Weihnachten ansteigender Besucherzahlen, häufigeren Quarantänen der Mitarbeiter*innen und der von ihnen zu betreuenden Kinder. Weitere Personalengpässe sind auch wegen der verschobenen Aufnahme des Schulbetriebes in der ohnehin schon mehr als angespannten Lage zu erwarten. Es wird dringend personelle Unterstützung bei der Durchführung der Schnelltests benötigt - der Einsatz von Hilfsteams der Bundeswehr, Mitarbeitenden des MDK oder Sanitätsdiensten für die Durchführung der Schnelltests sollte nochmals geprüft werden. Ehrenamtliche sind bereits seit Monaten in unseren Einrichtungen unterstützend aktiv, die Einbindung in Pflichtaufgaben der Einrichtungen ist jedoch nicht unser Verständnis von Ehrenamt.

Im Interesse der von uns betreuten Menschen und unserer Mitarbeitenden vor Ort bitten wir um Unterstützung und Sicherheit für ein nachvollziehbares und trotz der Kurzfristigkeit planbares Vorgehen. In Abstimmung mit unseren Trägern haben wir bereits Vorschläge und Hinweise zur Bewältigung der Notlage eingebracht. Unsere Nachfragen im Dialog mit dem Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration dienen der Klärung und Verstärkung der Handlungssicherheit. Dies ist uns an vielen Stellen in den vergangenen Monaten trotz der allseitigen Anspannung gemeinsam gut gelungen und hierfür stehen wir auch weiterhin unermüdlich zur Verfügung.

Heute bitten wir jedoch das Signal, dass die Belastungsgrenze trotz Ausschöpfung aller Maßnahmen zur Personalverstärkung erreicht ist und die Situation vermutlich noch Monate andauern wird, aufzunehmen.

Gezeichnet wurde das Schreiben von:

  • AWO Landesverband Sachsen-Anhalt
  • AWO Kreisverband Burgenlandkreis
  • AWO Regionalverband Halle-Merseburg
  • AWO Kreisverband Harz 
  • AWO Regionalverband am Harz
  • AWO Kreisverband Köthen
  • AWO Kreisverband Magdeburg
  • AWO Kreisverband Mansfeld-Südharz
  • AWO Kreisverband Saalekreis
  • AWO Kreisverband Salzland
  • AWO Kreisverband Wittenberg
  • AWO Soziale Dienste Sachsen-Anhalt
  • AWO Seniorenzentrum Zepziger Weg

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