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Radeln mit Herz: Senior*innen auf den Spuren der AWO-Geschichte in Magdeburg

Radeln mit Herz: Senior*innen auf den Spuren der AWO-Geschichte in Magdeburg

Magdeburg,

Die fünf neuen E-Rikschas des AWO Landesverbandes traten am 15. Oktober ihre erste Stadtfahrt an. An Bord waren wissbegierige Bewoh­ner*innen aus dem AWO Altenpflegeheim „Haus Krähenstieg“.

 

Die Vorfreude war groß bei den acht Seniorinnen und Senioren aus dem Altenpflegeheim „Haus Krähenstieg“ des AWO Kreisverbands Magdeburg: Pünktlich um 9.30 Uhr warteten sie am Donnerstag mitten in Magdeburgs Innenstadt auf fünf E-Rikschas, die sie mit auf eine Stadtrundfahrt der besonderen Art nehmen sollten. Nur wenig später kamen sie angeradelt: Fünf Freiwillige – darunter Ehrenamtliche und Mitarbeiter*innen des AWO Landesverbandes Sachsen-Anhalt e. V. – , die sich als Fahrer*innen bereit erklärt haben.

Geführt wurde die Rundfahrt von Ruben Herm, Referent Engagementförderung im AWO Landesverband, der an verschiedenen Haltepunkten einige interessante Fakten zur Magdeburger AWO-Geschichte präsentierte. Start der Tour war in der Großen Münzstraße. Weiter ging es zur Ratswaage, dann zur Regierungsstraße und zum farbenfrohen Hundertwasserhaus, anschließend zu Magdeburgs Wahrzeichen, dem Dom. Dann wurde einmal das Schleinufer gekreuzt und die Tour führte gemütlich auf dem Elbe-Radweg entlang bis nach Magdeburg-Buckau. Dort warteten die Betreuer*innen bereits auf die Senior*innen.

Diese sind aufgrund des herbstlichen Wetters die ganze Zeit über mit warmen Thermodecken zugedeckt gewesen – auch Handschuhe, Schals und Regenponchos durften nicht fehlen, aber zum Glück blieb der Regen aus. „Es war so schön! Der Anblick der Stadt lässt einen die Kälte ganz vergessen. Aufwärmen können wir uns später ja immer noch.“, sagt eine der Damen nach der Fahrt. „Es hat sich viel verändert. Das muss man sagen.“, stellt ein Senior nach der Fahrt durch die Innenstadt fest.

Insgesamt war die Fahrt ein gelungener Auftakt für das Projekt Radeln mit Herz. Die E-Rikschas werden nun ab Ende Oktober nach und nach an AWO-Pflegeeinrichtungen in Sachsen-Anhalt verteilt. Die Gefährte gehen unter anderem nach Wittenberg, Kemberg, Hohenmölsen und Barby.

Ein Bericht aus erster Hand: „Der erste Passagier“

„Endlich sind wir angekommen! Die ersten 5,5 km Kolonnenfahrt liegen hinter uns und endlich kann es losgehen. Die Passagiere sind schon da und warten auf den Einstieg. Alle werden gut eingepackt. Es regnet zwar nicht mehr, aber frisch ist es trotzdem. Während sich zwei Personen in manchen Rikschas aneinander kuscheln, sitzt in meiner ein älterer Herr. Er ist einer von insgesamt sechs Bewohner*innen, war gleich als erster platziert worden und darf nun auch an der Spitze fahren. Sein Name ist Helmut, 88 Jahre und Magdeburger Urgestein. Wir fahren durch die Innenstadt und machen Station an historischen Orten, die meisten davon mit AWO-Bezug. Helmut ist begeistert und er erzählt, als wir am Ratswaage-Hotel vorbei fahren „Dahinten habe ich gewohnt!“. Ich frage nach wo genau – „Na aufm Breiten Weg!“. Helmut hört immer interessiert zu, wenn ich ihm etwas zu Orten erzähle oder ihn auf Besonderheiten, wie das Riesenrad im Stadtpark, aufmerksam mache. „Hier hat sich aber viel verändert!“. Ich frage ihn, wie lange er schon im Haus Krähenstieg lebt. „Seit fünf Monaten, aber die letzten Jahre hatte ich meine Wohnung nicht mehr verlassen.“ Es stimmt mich ein wenig nachdenklich. Gedacht war die Fahrt für Bewohner*innen, die schon seit Jahren die Einrichtung nicht mehr verlassen haben. Das bestimmte Vorgeschichten auch die eigene Häuslichkeit zu einem Heim werden lassen können, zeigt mir Helmut deutlich: Isolation (schon vor Corona, aber dadurch noch verstärkt), fehlende Mobilität und starke gesundheitliche Einschränkungen. Helmut freut sich über Bewegung, im Schnitt mit 12 km/h, eine vielfältige Umgebung, den für ihn lange zurückliegenden städtischen Alltag im Magdeburger Zentrum, die Elbe – wie lange hatte er diese schon nicht mehr gesehen? Die Natur am Biosphärenreservat Mittlere Elbe, das alte Industriegebiet (heute der Klosterbergegarten) und die schicken Neubauten in Elbnähe. „Da wohnt der ehemalige Oberbürgermeister Willy Polte drin!“ klärt er mich auf. Als wir in der Thiemstraße ankommen sind und die Rundfahrt beendet ist, ist Helmut ein wenig enttäuscht. Er wäre gern noch bis zur Einrichtung zurückgefahren. Er strahlt über das ganze Gesicht und bedankt sich für den schönen Ausflug. Die vielen Erinnerungen und Eindrücke werden ihm hoffentlich noch lange erhalten bleiben.“

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